4 FREIDANKS GRABMAL.
während begründet: ich habe sie für keine Gewissheit ausge-geben und bin vollkommen mit dem zufrieden, was W. Wacker-nagel in der Vorrede zum 1. Bande des Lesebuchs (in der erstenAuflage) darüber sagt. Es ist natürlich, dass eine solche Be-hauptung zunächst den Widerspruch erregt, allein ausser denErörterungen zwischen Gervinus (in der Vorrede zur erstenAusgabe der Geschichte der poetischen Nationallitteratur undin den Heidelberger Jahrbüchern 1835, S. 902 ff.) und mir (inden Göttinger Anzeigen 1835 St. 41—43 [= Kl. Sehr. Bd II,S. 449—468, besonders 453 ff.]) ist die Sache nicht zur Sprachegekommen; ich muss also eine Widerlegung meiner Gründenoch erwarten. Etwas Entscheidendes dafür oder dagegen wirdsich vielleicht aus feiner Beobachtung der Spracheigenthümlich-keiten Walthers und Freidanks ergeben: dafür habe ich dieBemerkung zu Roland 3, 23 machen können.
Dass der östreichische Seifried Helbling, den ich, als ichihn in der Einleitung S. xli anführte, nicht näher kannte, unterBernhard Freidank unseren Dichter meinte, davon habe ichmich jetzt aus •einigen Stellen seiner Gedichte, wo er Sprücheaus der Bescheidenheit anführt, überzeugen können. KarajansAusgabe wird vielleicht noch weitere Aufklärung, auch wohleinige noch nicht bekannte Sprüche Freidanks gewähren. Obder Vorname Bernhard richtig ist (man darf, da dieser Namefrüher nicht zum Vorschein kommt, fragen, woher ihn Helblingam Ende des 13. Jahrhunderts wisse), lasse ich dahingestelltsein; wahrscheinlich dünkt es mich nicht; überraschend ist aberder Schluss, den Herr Professor v. d. Hagen daraus zieht (Jahrb.der Berlin. Sprachgesellschaft 1, S. 97), weil Freidank auch denVornamen Bernhard führe, könne er nicht Walther von derVogelweide sein.
' Wilhelm Grimm.
[Vgl. Über Bernhard Freidank und Zurechtweisung imLitterarischen Centralblatt 1857 No. 26 und 1858 No. 48 = Kl.Sehr. Bd II, S. 508—510.]