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4 (1887)
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FREIDANKS GRABMAL. 3

Ich bezweifle nicht Schedels und Pfinzings Wahrhaftigkeit,und was sie beschreiben, haben sie gewiss an der Kirche zuTreviso gesehen, aber ich glaube nicht, dass Freidank in Tre-viso war und dort ist begraben worden, oder mit anderenWorten, ich glaube nicht an die Wahrhaftigkeit des Denkmalsselbst. Es kann sein, dass im Anfang des 15. Jahrhunderts einlustiger und scherzhafter Mann, dessen Witz und Scharfsinnbekannt war, von den deutschen Kaufleuten im Venetianischennach Italien eingeladen ward und den Namen Freidank erhieltoder sich selbst beilegte, entweder weil er an sich bezeichnendwar oder weil man ihn damit dem wirklichen Freidank, dessenSprüche in damaliger Zeit noch bekannt genug waren, ver-gleichen wollte. Ward doch im 16. Jahrhundert dem KaiserMaximilian in einem Verzeichnis seiner Werke auch FreidanksGedicht beigelegt, s. Haltaus Theuerdank S. 19. Dann konntendie zu Schedels Zeit lebenden Kaufleute sich seiner sehr wohlerinnern, und dann passen auch die Worte der Inschrift: deralweg sprach und nie sang; sie sollen andeuten, dass er einErzähler, kein Sänger gewesen sei. Oder das Grabmal hatvielleicht nur einer blossen Volkssage seine Entstehung zu ver-danken oder dem wohlgemeinten Einfall eines deutschen Malers,der aus dem Gedicht wusste, dass Freidank in Italien gewesenwar. Ich erinnere an den bekannten Grabstein Eulenspiegels,von dem es sehr zweifelhaft ist, ob er wirklich gelebt hat. Manhat Bilder von ihm, man zeigt zu Mollen, wo er soll gelebthaben, einen Panzer von Eisendraht, ja auch in Rom ist er an-geblich gewesen und hat den Papst gesehen (vgl. Flögel Ge-schichte der Hofnarren S. 460 ff.).

Freilich meine Vermuthung, dass Freidank kein anderer 33als Walther von der Vogelweide sei, würde unhaltbar erscheinen,wenn jener wirklich zu Treviso begraben läge, vorausgesetzt,dass Walthers Grabmal zu Würzburg nicht ein blosses Denk-mal gewesen ist 1 ). Mich dünkt jene Vermuthung noch fort-

') Nach einer Mittheilung von Professor Koberstein hat LegationsrathSeharold zu Würzburg Walthers Leichenstein dort noch gesehen, bestätigt auchaus alten Papieren, dass dort ein Hof zur Vogelweide bestanden habe.

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