2 FREIDANKS GRABMAL.
(denn das ist die urbs Venetorum, urbs Patavina, da das Ge-biet von Padua schon seit 1402 zu der Republik Venedig ge-hörte) berufen, starb dort und ward in der Hauptkirche be-graben. Zum Andenken ward sein Bildnis an die Mauer derHauptkirche gemalt und eine deutsche Inschrift dabeigesetzt.
Diese Inschrift ist von dürftigem Inhalt und hat nichts vonder Art und Weise des 13. Jahrhunderts, sie zeigt auch nichtdie Sprachformen jener Zeit, sondern des 15. Jahrhunderts. Manmüsste also annehmen, dass Schedel, indem er sie abschrieb,sie zugleich auch geändert habe. Aber noch mehr, der Gegen-satz in den Worten der alweg sprach und nie sanc war im13. Jahrhundert unmöglich. Sagen und singen, sprechen undsingen war bekanntlich der technische Ausdruck für den Vor-
. trag der Gedichte im Allgemeinen, und keineswegs wird da-durch ein Gegensatz, etwa zwischen prosaischer und dichterischer,von Gesang begleiteter Erzählung, ausgedrückt. Ich will hiernur eine Stelle und zwar eines Dichters, der noch im Anfangdes 14. Jahrhunderts lebte, anführen; Frauenlob sagt (HagenMS. 2, 344"): swaz ie gesanc Reinmar und der von Eschenbach,swaz gesprach der von der Vogelweide, und gerade von Waltherkennt man nur lyrische Dichtungen. Johann von Kostenz (nachder Lassbergischen Handschrift der Verfasser von der MinneLehre, die Bodmer got Amur nannte), der (nach Lassberg)im 13. Jahrhundert lebte, führt einen Spruch Freidanks miteiner Bemerkung an, die der Inschrift geradezu entgegen ist(2013—2014): ez sprichet her Fridanc, der ie Seite unde sanc
32 stsetecliche wärheit. [S. unten S. 7.] Hierzu kommt noch Folgendes.Freidank konnte erst nach dem Kreuzzug von 1229 nach Trevisoberufen sein; will man ihm auch ein hohes Alter beilegen, sowaren doch bis zu Schedels Anwesenheit mindestens zwei Jahr-hunderte verflossen. Ich will die Möglichkeit zugeben, dass einWandgemälde und eine, wie es doch scheint, nicht in Stein ge-hauene Inschrift so lange der Zeit getrotzt habe, wiewohl ichetwas sehr Unwahrscheinliches zugebe: wie hat sich aber bei dendeutschen in Treviso ansässigen Kaufleuten, die man doch vor-aussetzen muss, eine so alte Nachricht von seiner Berufung undKrankheit erhalten?