1. Abschn. Verwaltende Polizey.192Die aus dem Genusse des Mutterkorns entstehenden üblenFolgen werden die Kriebel=Krankheit genannt. Siebesteht hauptsächlich in einem besondern Kriebeln der Haut,in darauf folgenden Krämpfen und Zückungen; anfänglichäußern sich immer Ekel und Erbrechen, Magenwehe undBauchschmerzen. Nach diesem leidet vorzüglich das ganzeNerven=System. Selten äußert sich ein Fieber, und dochist der Kopf oft sehr eingenommen; der Kranke fällt in eineSchwermuth, und redet irre. Oefters kommt ein Heishungervor, die Stühle sind meistens flüßig, und es gehen oft mitErleichterung Würme ab. Die Krankheit ist mit allen Zu-fällen einer Bösartigkeit verknüpft; die Kranken leiden langedaran, und viele unterliegen dem Uebel. — Es giebt auchBeyſpiele, daß das Mutterkorn ohne erfolgte Kriebel⸗Krank-heit von den Landleuten genossen worden ist; dieß beweisetaber höchstens nur, daß das Mutterkorn nicht alljährlich,nicht überall, nicht in jedem auch geringen Maße ſchädlichsey. Es können Umstände eintreten, welche gleiche Wirkun-gen verhindern. Das älter gewordene Mutterkorn verlieretvieles von seiner betäubenden Kraft; der Landmann, welchernicht gezwungen ist, sogleich das Korn zu Brod zu machen,wird keine so merkliche Zufälle davon empfinden. Wer nichtmeistentheils von bloßem Brode leben muß, der wird durchden Genuß anderer Nahrungs=Mittel die Wirkung des nichtallzu häufigen Mutterkorns ersticken. Gewisse Sommer, viel-leicht die auf ein nasses, der anfänglichen Erzeugung derKornzapfen günstiges Frühjahr folgenden heissen Sommer,können vielleicht das Mutterkorn so austrocknen, daß seinflüchtiges, der Gesundheit nachtheiliges Wesen, verfliegenmuß.„Der Rost ist ein gelbrother Staub, welcher sich anden Halm und den Balg vieler grasartigen Pflanzen hängt,den Genuß desselben zu verhindern. Auch Deutschland und dieSchweitz haben zu verschiedenen Epochen die traurigen Wirkungendes Mutterkorns empfunden.
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