Druckschrift 
Th. 1 (1811)
Entstehung
Seite
191
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III. Cap. §. XXIX. Polizey=Maßregeln in Betreff des Getreides 2c 191rungs=Mittel werden eine gute oder schlechte Beschaffenheithaben, je nachdem das Getreide sich verhält, aus dem siezubereitet werden. — Das Getreide ist Krankheiten unter-worfen, die den Genuß desselben gefährlich oder bedenklichmachen. Die wichtigern Krankheiten des Getreides sind dasMutterkorn, der Rost und Brand.Frank im 3. B. seiner medicinischen Polizey beschreibtdiese Kranheiten des Getreides und die daraus entstehendennachtheiligen Wirkungen auf folgende Art:„Das Mutterkorn (seigle ergoté), sagt dieser Schrift-steller, ist ein dem Roggenkorn fast eigener Zustand. Einoder mehrere Körner wachsen über die andern schnell hervor,nehmen eine schwarzbraune Farbe und meistens die Gestalteines einzelnen Vogelklauen an, welchem sie auch an Dickeund Länge beykommen, indem einige die Länge von 17 undmehrern Linien gewinnen. Aeußerlich finden sich länglichteleichte Streifen, innerlich noch ziemlich weißes Mehl, dasjedoch dem Brode, worunter es häufiger genemmen wird,eine etwas in das Violette fallende Farbe gibt. Der Geschmackdieses Mehls ist bald als scharf, bald als jenem andererRoggenkörner gleich beschrieben worden. Die meisten Thiereverabscheuen es so, daß kaum der äußerste Hunger dieselbenzum Genusse des Mutterkornes verleiten kann. In nassenJahren und in kältern Gegenden wird solches mehr beobachtet.Aecker, welche frisch umgerottet worden sind, tragen es ofthäufiger. Die Saamenkörner, welche davon angesteckt sind,pflanzen weder sich noch das Uebel weiter fort. In der(ehemahligen) französischen Provinz Sologne wächst dasselbevorzüglich stark; nach dem harten Winter von 1709 genossendie armen Leute daselbst den im vorhergegangenen Jahre miteinem vierten Theile Mutterkorns vermiſchten Roggen; baldhierauf befiel eine Menge dieser Elenden der trockene kalteBrand, und sie verloren auf die erbärmlichste Weise einGlied um das andere. 6)*) Im 8. J. der Republik wuchs viel Mutterkorn in derGegend von Bordeaux, und die Regierung ergriff Maßregeln, um