Druckschrift 
Zwei geographische Beschreibungen des Herzogtums Berg aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts
Entstehung
Seite
116
Einzelbild herunterladen
 

116Schwesteren zu Waisen machen lassen. Nach meines Vatters sel.Begräbnüs hat mein lieber Groß=Vatter sel. Casparus Wülffingmich zu sich genommen, und annoch drey Jahr verpfleget, zurLateinischen so wol als Rechen=Schul gehalten, und darauff michfrühzeitig zu meines Vatters sel. geführten Kauffmanschafft undehrlichen Handel durch zwey Anverwandte, Johannen und Melchiorenvon Cleve, welche selbige Kauffmanschafft getrieben, anführen lassen,mit denen ich im fünffzehenden Jahr meines Alters auff Amsterdam,mit wenigem Geld, nemlich sechtzig Reichsthaler, zur Kauffmän-schafft reisen, wenig davon verzehren, und also mich mit geringenKosten behelffen müssen; zu diesen wenigen Gelderen hat GOtt seinenSegen also reichlich gegeben, daß ich in schweren eingefallenentheuren Krieges=Zeiten meine Mutter, als eine gewesene und bißzu ihrem Absterben verbliebene Wittib und Schwesteren, ehrlichernähret, auch solche meine Kauffmanschafft also rühmlich undauffrichtig fortgesetzet, daß dadurch in Credit und Ansehen beyvornehmen Kauffleuthen und Factoren in Amsterdam, Westphalen,Düßburg und andern Orthen kommen. Damahlen ich auch inmeinen jungen blühenden Jahren zum Bürgermeister der FreyheitBeyenburg von der gantzer Gemein einhellig erwehlet, und istsolcher Dienst drey nacheinander folgende Jahren rühmlich ver-tretten, Ihro Chur=Fürstl. Durchl. in GOtt ruhenden HerrnHerrn Vatters Philipp Wilhelm, Höchst=seliger GedächtnüsSteuer=Gelder seynd damahlen, in besagter Freyheit, von mirerhoben und gehörig berechnet worden. Und als ich zu meinenJahren gekommen, so habe in Anno 1687. zur Heil. Ehe geschritten,und mich mit einer Ehr= und Tugend=reichen Wittib, AnnaCatharina von Mitteldorff, durch Priesterliche Copulationvermählet, mit welcher ich in einem Fried=liebenden Ehestandviertzig Jahr weniger sieben Wochen, da GOtt sie mir von derSeiten genommen, gelebet, mit welcher ich dann sechs Kinder,drey Söhne und drey Töchter, wovon mir annoch zwey Söhne,so beyde (GOTT und Ew. Chur=Fürstl. Durchl. sey unterthänigsterDanck davor) in Dero Diensten stehen, im Leben seynd, gezeuget;gleich darauff, nach solcher Vermählung, ist mir der Steur-Empfang vom gantzen Ambt Beyenburg auffgetragen, dabey hatIhro Chur=Fürstl. Durchl. Herr Herr Bruder Johann WilhelmHöchst=seligster Gedächtnüs, die Ambts Beyenburger Renth=Meisterey,welche ich (ohne zeitlichen Ruhm zu melden) einunddreyssig Jahr