8. Kriege der Türken (161S—1699). 299
Auf den für die Türken unglücklichen Feldzug von 1683 folgte eineganze Eeihe solcher, welche durch die Siege und Erfolge der christlichenWaffen und durch die heftige Erschütterung des ottomanischen Reiches, dasbeinahe gestürzt worden wäre, berühmt geworden sind. Die wichtigstendieser Erfolge wurden durchOesterreich und dessen Truppen unter Führungdes Herzogs von Lothringen errungen. Er 'schlug die Türkenbei Barkan, Wyschegrad, Waitzen und Hamsabeck, nahm Gran, Waitzenund andere Festungen, konnte aber Ofen nicht gewinnen, den Haupt-stützpunkt der Türken in Ungarn. Zur selben Zeit operirten die Vene-tianer mit Erfolg zur See, im Archipel, und an den griechischen und dal-matinischen Küsten. Von Seiten Polen's war eine direkte Folge desSieges von Wien die Vernichtung des Vertrages vonShurawna von 1676,
— und zur selben Zeit, wo Sobieski mit Kara-Mustapha kämpfte,führte der Castellan von Krakau, Potozki, einen Zug in die Ukraineaus, unterwarf sie dem Polen ergebenen Hetman Kunitz oder Kunitzki(s.oben) und schloss mit dem moldauischenHospodarFrieden. Der Kriegzwischen Polen und der Türkei währte auch danach noch bis zum Endedes 17. Jahrhunderts fort, aber ohne irgend welchen Nutzen für Polen,
— wegen der gewöhnlichen Streitigkeiten der Schljachta und der höfischenIntriguen. Die Unternehmungen zum Zwecke der Befreiung vonKamenz,mit den ersten beiden Feldzügen des Königs (1684) und des HetmansJablonowski (1685) beginnend, endigten unglücklich: der König be-schränkte sich auf die Einnahme von Jaslowez, der Hetman hätte seinHeer in der Bukowina fast eingebüsst.
Die Nachfolger Kara-Mustapha's, Ibrahim undSuleiman,machten die grössten Anstrengungen zur Aufstellung neuer türkischerArmeen, erlangten einige theilweise Erfolge, konnten aber den türki-schen Waffen das Glück nicht wieder zuwenden, und der Krieg nahmin allen Grenzprovinzen der Türkei in Westeuropa eine Wendung zuGunsten Oesterreich's, Ungarn's und sogar zum Theil Polen's und derKasaken. Von Seiten Polen's hatte das Ziel des Krieges, die BefreiungPodolien's, bereits gewechselt. Man hatte dem in dem Kriege gegen dieTürkei bereits erlahmenden Sobieski den Gedanken eingegeben, dieMoldau und Wallachei für seine Söhne zu erobern. In Folge dessenschloss er (6. Mai 1686) einen Vertrag mit Bussland, nicht nur übereinen ewigen Frieden auf Grund der Bedingungen vonAndrussowo, son-dern auch über ein Trutzbündniss gegen die Türkei. Im ersten Feldzug(1686) bemächtigte Sobieski sich am 16. August Jassy's, in der Hoff-nung einer Vereinigung mit den Oesterreichern, aber er kehrte, ohne sieabzuwarten, zurück, nachdem er durch Dürre und Hunger grosse Ver-luste erlitten hatte. In Ungarn nahmen in demselben Jahre die Oester-reicher endlich Ofen, diese für die Türken wichtige Festung, nach hef-