298 I. Kriege von 1613—16S9. .
Diesen Streit zwischen ihnen entschied der Papst Innocenz XI, derHaupturheber der heiligen Liga gegen die Türken, und er entschied zuGunsten der Deutschen, indem er zum Gedächtniss dieses »Triumphesder Christenheit« einen Feiertag nebst feierlicher Procession einsetzte,wobei Banner mit den Bildern des Papstes und des Kaisers Leopoldgetragen werden sollten. Der Letzere aber liess in Wien dem »Befreier derChristenheit«, d. h. dem Papste eine Bildsäule setzen. Wie sehr aberauch Leopold und Ludwig XIV, der Gegner Sobieski's, sichbemühten, dessen Heldenthat zu schmälern, die übrigen europäischenHerrscher erhoben sie dagegen ebenso hoch. Dieselben Gegensätze fin-den sich in den gleichzeitigen und späteren Beschreibungen dieserSchlacht; die historische Wahrheit aber liegt in der Mitte zwischenbeiden*)..
Dieser Feldzug schien wohl eine etwas ausführlichere Darstellungzu verdienen, einmal wegen der oben geschilderten Besonderheit dessel-ben, dann auch deshalb, weil er ein dreifach interessantes Schauspieldarbietet; 1) den kriegerischen Zusammenstoss der damaligen christ-lichen und muselmännischen Streitkräfte, mit dem wichtigen Ziele derBefreiung, resp. der Eroberung der Hauptstadt des habsburgischen Rei-ches ; — 2) die entschiedene Ueberlegenheit der ersteren über die letz-teren nach Ausbildung, Kampfform und Kunst der Operationen, wie sieeine Folge war der in Westeuropa bereits gemachten Fortschritte in Or-ganisation und Kriegskunst, während bei Türken und Tataren diese nochauf der niedrigen Stufe standen wie bei deren Heraustreten aus Asien,— bei den Türken noch niedriger, weil diese im Verhältniss zu derenfrüherer besserer Zeit sehr in Verfall gerathen waren; — und 3) die-selbe Ueberlegenheit der damaligen westeuropäischen Kriegs-Organisationund -Kunst über jene, nicht allein der Türken und Tataren, sondern auchder Polen, Kasaken und Bussen. In dieser Beziehung würden auch dieKriege der Schweden und Polen, wie der Oesterreicher und Türkenim 17. Jahrhundert dargestellt zu werden verdienen, wenn das dieAusdehnung dieses Werkes gestattete. Uebrigens wurden die Kriegs-thaten solcher Feldherrn, wie Gustav Adolph, Montecuculi,Herzog von Lothringen und Prinz Eugen von Savoyen inden Kriegen mit Polen und der Türkei, bereits theilweise in dem 1. und 2.Bande der Allgemeinen Kriegsgeschichte neuerer Zeit in Westeuropadargestellt. Die Kriege der Türken in Europa und Asien im 17. Jahr-hundert überhaupt, ausgenommen den Feldzug 1683 (wegen der angege-benen Gründe), bedürfen hier wohl nur einer Darstellung in allgemeinenHauptgrundzügen.
Pawlischtschew: »Sobieski's Zug nach Wien«.