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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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8. Kriege der Türken (161S1699). 297

rathbeschloss, direkt nachPolen zurückzukehren und in Ungarn nur einenTheil der nahe der Grenze ihreHeiinath habenden Truppen und der Kasa-ken zurückzulassen. Bewaffnete ungarische Banden machten bei jedemSchritte die polnischen Fourageurs nieder, und nur Tökeli war es zndanken, dass die schwachen Trümmer der polnischen Truppen, welchebei diesem Rückmarsche mehr Leute verloren hatten, als vor Wien undParkany, ihr Ziel erreichen und zurückkehren konnten. Auch Hess Tö-keli den König wissen, dass er möglichst eilen solle, sonst würdendie Ungarn ihn von den Karpathen abschneiden.

Auf dem Wege von Eperies dahin mussten die Polen noch um denBesitz der Stadt Kis-Zeben kämpfen, vor welcher die Lithauer schonstanden. Bis zur Ankunft des Königs setzte die Stadt sich zur Wehreund ergab sich ihm dann auf Capitulation am 9. Dezember. Die unga-rischen Offiziere wollten dem Kaiser um keinen Preis schwören und zo-gen mit den polnischen Truppen ab, nach einigen Tagen aber kehrten siein dieselbe zurück und vertrieben die darin zurückgebliebenen Polen.Ebenso verfuhren die Ungarn auch in andern Städten mit den polnischenGarnisonen. Endlich betrat Sobieski in Ljubowl polnischen Bodenund kehrte am Abend vor Weihnachten 1683 nach Krakau zurück.

Das war dieser berühmte Feldzug des Jahres 1683 der Türkengegen Wien, um diese Stadt zu nehmen, und Sobieski's mit pol-nischen, des Herzogs von Lothringen mit österreichischen, undder Reichsfürsten mit deutschen Truppen zum Entsätze von Wien *).Sobieski, als oberster Anführer des verbündeten Heeres, und derHerzog von Lothringen, als Oberfeldherr der kaiserlichen Truppen,verdienten und erwarben hohe Ehre dafür, dass sie den Vezier Kara-Mustapha gezwungen hatten, die Belagerung von Wien aufzuheben, ebenso S t a r h e m b e r g für die zwei Monate währende glänzendeVertheidigung der Stadt. Die Schlacht selber vom 12. September vorWien, von Einigen , namentlich den Polen , für eine grosse allgemeineSchlacht erklärt, war in Wahrheit nur ein wenig bedeutendes Gefecht, anwelchem zwei Drittel des verbündeten Heeres überhaupt nicht theilnahmen.das andere Drittel zwar kämpfte, aber nach den ersten Attaken von nur40 000 Reitern schon bemerkte, dass das ganze türkische Heer 6ich auf derFlucht befand. Die Folgen dieser Schlacht aber waren so wichtig undschmeichelten der nationalen Eitelkeit der Polen und Deutschen derart,dass die Einen wie die Andern sich den Ruhm des Sieges zusprachen.

*) Die Einzelheiten dieses Zuges finden sich: Pawlischtschew: So-bieski's Zug nach Wien 1683, als Episode aus dessen grösserem Werke : Diepolnische Anarchie unter Johann Kasimir (auf die besten Quellen ge-gründet) .