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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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S. Kriege der Türken (16181699). 293

Khan diese Flucht sehr begünstigt. Die Ersteren hatten schon seit dem12. früh Morgens alle ihre Fuhrwerke, Kameele, Pferde u. s. w. auf derStrasse nach Schwechat unter dem Schutze von Cavallerie abgesendet,was im türkischen Lager Beunruhigung hervorrief, und in dem allgemei-nen Wirrwarr zogen auch die Janitscharen ab, so dass die Deutschen,als sie in das türkische Lager drangen, Niemanden darin fanden. DerKhan aber hatte nur den einen Gedanken, so rasch als möglich mit derzusammengeraubten Beute und einigen tausend Gefangenen zu entkom-men. (Die Gesammtzahl der Gefangenen belief sich auf 108000, undihre Befreiung hätte noch einen der wichtigsten Anlässe bilden sollen,um den Feind aufs Energischste zu verfolgen): deshalb war auch derKhan einer der Ersten, die sich zur Flucht wandten. Der Herzog vonLothringen hatte ganz richtig den Feind verfolgen wollen, Sobieskiaber gab seine Zustimmung nicht, da er fürchtete, dass die VerbündetenNachts in einen Hinterhalt gerathen könnten, er verbotauch, vordem Mor-gen zu plündern, was jedoch nicht verhindern konnte, dass dennoch schonin der Nacht geplündert wurde. Die Verbündeten fanden in den türkischenZelten, besonders in dem desVeziers, eine ungeheuere und reiche Beute.In des Veziers Zelte fand Sobieski über zwei Millionen verschiedenerKleinodien, dagegen kein Geld. Auf den Antheil der Deutschen sollen3 Millionen Dukaten entfallen sein, was jedoch übertrieben sein dürfte.Die Trophäen bestanden in 15 000 Zelten, 160 Geschützen und unge-heuren Vorräthen von Munition und Lebensmitteln.

Im Rausche des Sieges schrieb Sobieski, und nach ihm alle Po-len und polnischen Schriftsteller, den Sieg und die Befreiung Wiensausschliesslich der polnischen Nation zu, aber sehr mit Unrecht, wieaus dem oben Gesagten hervorgeht. Obgleich die Polen auch zu demErfolge der Schlacht beigetragen hatten, ihrer Zahl und ihrer Betheiligungam Kampfe nach jedoch in geringerem Maasse als die Deutschen, so ge-bührt doch der Ruhm des Sieges vorzugsweise Sobieski selbst, alsdem Höchstkommandirenden der verbündeten Armee, und nächst ihmdem Herzoge von Lothringen, den Oesterreichern und Sachsen.

Der Kaiser Leopold kehrte am 14. September unter dem Donnerder Kanonen nach Wien zurück, und am folgenden Tage hatte er eineoffizielle Zusammenkunft mit Sobieski l 1 ^ Meilen von Wien auf derEbene von Ebersdorf, (wohin Sobie ski wegen des grässlichenGestan-kes der unbeeidigten Leichen auf dem Schlachtfelde und im türkischenLager sein Lager verlegt hatte). Diese nur V4 Stunde währende Zusam-menkunft war von Seiten des Kaisers sehr kalt, was Sobieski, die Po-len und sogar den Herzog von Lothringen sehr kränkte. DerKaiser belohnte nur Starhemberg allein für seine ruhmreiche Ver-theidigung von Wien während der zweimonatlichen Belagerung. Dem