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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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292 I- Kriege von 16131689.

Flucht verwandelte. Umsonst suchte der Vezier die Fliehenden aufzu-halten und beschwor den Krym-Khan auf denKnieen, ihn zu retten: dietürkischen Truppen waren von solchem panischen Schrecken ergriffen,dass Jeder nur auf seine Rettung durch die Flucht bedacht war, undder Khan als Einer der Ersten. Sobieski verfolgte die Fliehenden nicht,sondern wandte sich direkt gegen die Mitte des türkischen Lagers zu demZelte des Veziers, wo er um 6 Uhr Abends ankam, als der Herzog vonLothringen schon ohne Kampf den rechten Flügel des türkischenLagers weggenommen hatte. Erst am andern Tage, den 13. September,schickte Sobieski den Oberst Menshinski mit 1000 Eeitern auf derStrasse nach Pressburg zur Verfolgung des Feindes aus. Bei dieserStadt angekommen, detachirte Menshinski eine halbe Sotnie nachRaab, wo nun die Polen in Unthätigkeit zusahen, wie das türkische Heerdrei Tage lang auf einer Brücke über die Raab ging. Hätte Sobieskidahingegen die Türken mit der gesammten Cavallerie verfolgt, so konnteihr Heer unzweifelhaft vollkommen vernichtet werden. Das Hauptziel die Befreiung Wien's war ja erreicht, und in und um Wien mit derganzen verbündeten Armee stehen zu bleiben war in keiner Weise er-forderlich .

Der Sieg der Verbündeten war ein voller und glänzender, aber keinschwerer und theurer gewesen, sie hatten nicht über 800 Mann verloren.Nur die erste Linie war im Kampfe gewesen, die Polen Jablonowski'sund die österreichischen Kürassiere hatten nicht Theil daran genommen.Der Verlust der Türken wurde durch Sobieski's Secretair, welchen die-ser sogleich mit der Nachricht von dem Siege und der im Zelte des Veziersgefundenen und für die Fahne des Propheten gehaltenen Fahne zum PabstInnocenz XI schickte, übertrieben auf 40000 Mann angegeben; wasjedoch diese Fahne anbelangt, so ist es viel wahrscheinlicher die eigeneFlagge des Veziers selbst gewesen.

Die allerdings unzweifelhafte Leichtigkeit des erfochtenen Siegesschmälert den Ruhm desselben in keiner Weise. Auf dem Schlacht-felde waren anfänglich im Ganzen nur 10 000 türkische Reiter, dannnoch weitere 30 000, mehr in Form einer Arriere-, als einer Avant-Garde gewesen. Und nicht deshalb etwa leisteten diese 40 000 Türkenschwachen Widerstand und flohen, weil sie durch die Deutschen, nochweniger aber durch die Polen (welche sich den Sieg zuschrieben) dazu ge-zwungen waren, sondern vielmehr deshalb, weil hinter ihnen dieHaupt-macht des türkischen Heeres, schon bei der ersten Nachricht vom Her-annahen der Verbündeten an den Kahlenberg von Schreck ergriffen, Halsüber Kopf entfloh, wie es fast jedesmal von den Türken, Tataren undübrigen asiatischen Völkern geschah, wenn Misserfolg eintrat. Uebrigenswurde durch die türkischen Paschas und besonders durch den Krym-