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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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6. Kriege der Türken (16161699). 289

gelang ihm, 16000 Polen zusammenzubringen, grösstentheils nationaleReiterei; das Fussvolkwollte er aus angeworbenenKasaken bilden, aberdie Sache zog sich in die Länge, die Kasaken säumten einzutreffen. Dielithauischen Truppen sammelten sich noch langsamer, sodass S obieski,ohne auf sie zu warten, den polnischen Truppen Befehl gab, sich in Tar-nowitz (Tarnowa Gora) zu sammeln, einer an der schlesischen Grenzegelegenen Stadt; er selbst brach aus Krakau aber erst am 17. Augustauf. Bei dem in Tarnowitz sich zusammenziehenden polnischen Heerewar Fussvolk und Artillerie sehr schwach und schlecht, letztere nur 28Geschütze, darunter nur sechs zur Verwendung im Felde brauchbare.Den Bitten des vom Kaiser gesendeten österreichischen Generals Ka-raffa um Beschleunigung des Marsches nachgebend, nahm S obieski,nach den Einen 4000, nach Andern 2000 Mann auserlesene Reiter mitsich und machte vom 22. August an forcirte Märsche, sodass er in 9 Ta-gen Schlesien und Mähren durchzog und am 31. August in Olle (Holla-brunn) eintraf, er hatte 350 Werst in 10 Tagen zurückgelegt. InOlle fand er den Herzog von Lothringen und zwischen Beiden bil-deten sich sogleich die freundschaftlichsten Beziehungen, welche sich vonlanger Dauer erwiesen. Ebendaselbst erschien bei Sobieski auch derdas fränkische Contingent befehligende Graf von Waldeck, und inStadeldorf der Kurfürst von Sachsen. Zur selben Zeitwurde zumBau einer Brücke über die Donau bei Tuln, 5 Meilen von Wien, geschrit-ten. Am 5. September stiess auch der Hetman Jablonowski mit denübrigen polnischen Truppen zu. Sobieski. Am selben Tage began-nen, nach stattgehabtem Kriegsrath, die sämmtlichen Truppen auf derBrücke über die Donau zu gehen, wozu sie 48 Stunden Zeit gebrauchten.In Tuln vereinigten sich der Kurfürst von Bayern und seine Trup-pen mit ihnen. Nachdem diese alle beisammen waren, bestand dasverbündete Heer aus 16 000 Polen und 54 000 Deutschen (28 000 Oester-reicher, 10 000 Sachsen, 12 000 Bayern, 14 000 Franken und verschiedeneFreiwilligen) im Ganzen also 70 000 Mann, wovon die Hälfte 35 000Mann Fussvolk. Den Oberbefehl über die verbündeten Armeen über-nahm unter allgemeiner Zustimmung Sobieski. Am 8. Septembertraten die Truppen in zwei Colonnen und auf zwei Strassen, die Polenrechts auf dem bequemeren, dieDeutschen links aus Tuln den Vormarschan, am dritten Tage (10. September) trafen sie, ohne auf den Feind ge-stossen zu sein, am Fusse des Kahlenberges (eine Meile vor Wien)zusammen, auf welchem sie sofort Geschütze auffuhren und das Feuereröffneten, um den Belagerten ihre Ankunft bemerkbar zu machen.

Während dessen hatte der Grossvezier die Belagerung hartnäckigfortgesetzt, in der Hoffnung, sich der Stadt vor dem Eintreffen der ver-

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I. Supplem. 19