288 I. Kriege von 1613—1689.
12, aber die Wälle und Gräben halb eingestürzt-. Mit Lebensmitteln da-gegen war Wien hinreichend ausgerüstet. Die Belagerten vertheidigtensich tapfer und hartnäckig, führten auch von Zeit zu Zeit kleine Ausfälleaus: die Belagerer führten den Angriff nur lässig und brachten, nach demabgeschlagenen Sturm vom 25. Juli, fast einen ganzen Monat mit derWegnahme eines einzigen Ravelins hin (23. August). Starhembergund der Herzog von Lothringen hielten durch Kundschafter,welche die Donau durchschwammen, Verbindung mit einander, der Erstevon ihnen meldete, dass in der Garnison Wien, aber auch im türkischenHeere eine Dyssenterie herrsche, welche viele Leute dahinraffe, und derLetztere, dass bald der König von Polen zum Entsatz eintreffen werde.Die Artillerie der Belagerer richtete in der Stadt keine besonderen Ver-heerungen an. Der Vezier hatte nach der Meinung seiner Paschas den»zukünftigen Ort seines Aufenthalts« geschont, ohne jeden Grund aberverwüstete er durch die Tataren die Umgegend, sogar im Rücken seinerAufstellung.
Indessen sicherte der Herzog von Lothringen die Strassenach Mähren, auf welcher er das polnische Heer erwartete, befreite Press-burg von den Ungarn, schlug sie an derMorava (March), ging dann nachKlosterneuburg an der Donau zurück, setzte sich in Verbindung mit denheranrückenden kaiserlichen Truppen, und schlug am 14. August denPascha von Wardein aufs Haupt, der mit Türken und Ungarn die Donauüberschritten hatte.
Der Kaiser Leopold hatte schon zu der Zeit, als er hörte, dass dieTürken von Essegg' auf Wien marschirten , von Sobieski auf Grunddes Vertrages ein Hülfsheer verlangt. Da er aber wusste, dass in Polenein Heer, wenn auch nur ein schwaches, zusammenzubringen nicht leichtwar, und dass die Streitkräfte der Rjätsch Pospolita zu jener Zeit nicht über12000Polen und6000Lithauer betrugen, so bat er Sobieski, für seinePerson möglichst schnell herbei zu eilen, überzeugt, dass, wenn er sichan die Spitze der verbündeten Armee stellen wolle, sein den Türkenfurchtbarer Name genügen werde, um ihnen eine Niederlage beizubrin-gen. Obgleich auch der Herzog von Lothringen in nicht geringe-rem Maasse, wie Sobieski, den Türken ein Schrecken war, so herrschtedoch im Lager der verbündeten Reichsfürsten Zwietracht: Keiner wolltesich unterordnen, Jeder Oberbefehlshaber sein. Deshalb richtete auchder Herzog von Lothringen selbst an Sobieski die Bitte, schleu-nigst herbeizukommen und durch Uebernahme des Oberbefehls die Streitig-keiten zu beenden.
Sobieski aber hielt es seiner Würde als König nicht angemessen,allein und ohne Heer zu erscheinen, und er bot deshalb Alles auf, um sorasch als möglich ein wenn auch nur kleines Heer zu formiren. Es