8. Kriege derTürken (161S—1699). 287
Vezier mit Tökeli einen Kriegsrath und es wurde beschlossen, auf Wienzu marschiren.
Inzwischen hatte während der Zeit, da der Sultan sich zu Belgradbefand, der Kaiser Leopold bei Presburg eine Revue über sein 44000Mann starkes Heer abgehalten. Zu diesen kamen noch drei Regimenter,ungefähr 4000 Mann Miethstruppen, welche der in österreichischen Dienstübergetretene Fürst Lj ubomirski gestellt hatte. Den Oberbefehl überdiese 48000 Mann übergab Leopold dem Herzog Karl von Lo-thringen mit dem Auftrage, auf Neuhäusel (Festung Uiwar) zu mar-schiren und diese Festung wegzunehmen, er selbst kehrte nach "Wienzurück. Die Belagerung von Uiwar ward ohne Erfolg geführt; unter-dessen aber zog Kara-Mustapha, am 12. Juni neuen Styles*) ausEssegg aufbrechend, nach Raab. In Folge dessen hob der Herzog vonLothringen am 28. Juli die-Belagerung von Uiwar auf und zog sichauf die Insel Komorn oder Schutt zurück. Er konnte jedoch den Veziernicht am Ueberschreiten des Raabflusses hindern und zog sich nach deram 7. Juli stattgehabten erfolglosen Affaire von Petronel auf Wienzurück. Am nächsten Tage ging er, unter Zurücklassung des GrafenStarhemberg mit 12 000 Mann Infanterie in Wien, auf das linkeDonauufer. Leopold aber begab sich schon vorher nach Linz und vonda nach Passau.
Am 14. Juli schloss der Vezier mit einem fast 200 000 Mann starken,aus Türken, Ungarn. Transsylvaniern und Wallachen bestehenden HeereWien ein, und eröffnete in der folgenden Nacht die Laufgräben, auf 200Schritt von der Contreescarpe entfernt. Sein Lager dehnte sich derStadt gegenüber auf einem Halbkreis von zwei Meilen aus, vonSchwechatauf dem rechten Donauufer bis Heiligenstadt und Nussdorf. Die Be-satzung Wien's bestand anfänglich aus 3000 Mann Fussvolk und etwa5000 bewaffneten Bürgern, nach Starhemberg's Eintreffen aber imGanzen aus 20000 Mann. Starhemberg beruhigte die Bürger vonWien und ermuthigte sie durch die Erinnerung daran, dass die Stadt sichauch gegen den drohenden Angriff Suleiman's I (II) im Jahre 1529behauptet habe, dass die Reichsfürsten und der König von Polen zu ihremSchutze herbei eilten, und dass bis zu deren Eintreffen der Herzog vonLothringen die Türken nicht in Ruhe lassen werde. In der Nacht zum17. Juli bemächtigten die Türken sich des Prater und der Leopoldstadt,womit die Einschliessung Wien's auch auf dem linken Donauufer vollen-det war. Der Vezier schlug sein Zelt im Park nahe bei dem Schloss LaFavorite auf und führte den Hauptangriff gegen die Löwen- und dieBurgbastion und das sie deckende Ravelin aus. Solcher Bastionen waren
*j Alle nachfolgenden Daten sind nach neuem Styl bezeichnet.