8. Kriege der Türken (1616—1699). 285
Türken entgegen zog. Bei Shurawna (am Dnjestr, südlich Shi-datschew in Mittelgalizien) wurde er von ihnen eingeschlossen und wärefast zu Grunde gegangen; nach dreiwöchentlichen tapferer Vertheidigunggelang es ihm jedoch, dank einem Aufstande der zu des Seraskiers Heere ge-hörigen Janitscharen, einen zwar drückenden, aber doch ganz erträglichenFrieden zu schliessen (17. Oktober 1676). Kraft dieses Friedens wurdenzwei Kreise der rechtsufrigen Ukraine, Bjeloe Zerkow und Pawolotsch,den Kasaken zugetheilt, welche Unterthanen Polens waren, der dritte,Tschigirin, mit der SaporogerSsj ätsch undKamenz blieben in den Händender Türken. Seit dieser Zeit gab es in der rechtsufrigen Ukraine zweiHetmans, einen von Polen, den andern von der Moldau, welch Letzteremder Sultan 1680 die türkische Ukraine zuertheilte *).
Der Keichstag von 1677 bestätigte den Vertrag von Shurawna,weil er auch den Wünschen der Schljachta entsprach, welche nicht zumKriege geneigt war, und den Absichten der französischen Partei in Polen,welche immer einer Waffenergreifung der Türkei gegen Oesterreich zu-neigte. Sobieski aber erklärte diesen Vertrag drückend für Polenund erniedrigend für die christlichen europäischen Mächte, und sah dieWahrscheinlichkeit neuer wichtigerer Verluste voraus, bei dem offenen Be-streben der Türkei, in Polen festen Fuss zu fassen und sich sogar derbaltischen Küste zu bemächtigen. In Folge dessen fasste er den Planeines allgemeinen europäischen Kreuzzuges gegen die Türken; als dievon ihm deshalb an die verschiedenen Höfe geschickten Gesandtschaftenkeinen Erfolg hatten, legte er seinen Plan dem Reichstage vor (4. Ja-nuar 1681) und schon hatte er die Mitglieder desselben zum Bruch desVertrages von Shurawna bewogen, als der von Frankreich bestocheneGesandte Dombrowski durch sein »veto« den Reichstag sprengte.Zum Glück für Sobieski liess Sultan Muhammed, mit dem Kriegegegen den Zar Feodor Alexejewitsch (s. unten) beschäftigt, denPlan Sobieski's unbeachtet und legte ihm sogar neue und vortheilhaf-tere Friedensbedingungen vor.
Durch Doroschenko's Uebergang unter die Botmässigkeit des Zaren(1676) sah der Sultan sich bewogen, Letzterem im Jahre 1677 den Kriegzu erklären. Dieser erste Krieg zwischen der Türkei und Russlanddauerte vier Jahre (1677—1680), beschränkte sich jedoch auf kriegeri-sche Operationen bei Tschigirin, wobei der neue Gi'ossvezier aus dem Ge-schlechte Köprili, Kara-Mustapha, das türkische Heer befehligte,Schwager und Nachfolger von Achmed Köprili, welcher drei Tage
*) Nämlich dem moldauischen Hospodaren Duka, welcher an die Stelle vonJuri Chmjelnizki, Nachfolger G-ogol's, trat, nachdem dieser vom Sultan1676 an Doroschenko's Stelle gesetzt worden war, welcher sich Russland ange-schlossen hatte (Pawlischtschew, Gesch. Polens und die polnische Anarchie).