Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
Entstehung
Seite
284
Einzelbild herunterladen
 

284 I. Kriege von 16131689.

und einedritte aus Bediensteten der Golenibsker Schljachta. Am 4. Ja-nuar 1673 beschuldigten auf dem Reichstage der Conföderation zu War-schau die Feinde S o b i e s k i's diesen des Verraths, er aber erschienmit einem Heere vor Warschau, zwang die Rangklassen des Reichstages,sich zu versöhnen, den Bu tschat sc her Vertrag zu vernichten und dieTruppenaushebung zu erhöhen (13. April 1673).

Auf die Nachricht hiervon marschirte der Sultan abermals an denDnjestr. Die Polen erwarteten Hülfe vom Zaren, welcher zu dieser Zeitsich vergeblich bei fast allen europäischen Höfen für Polen verwendete,säumten indessen nicht, und der König selbst traf in Glinjanach ein (öst-lich von Lwow) zur Uebernahme des Commandos über die dort zusam-mengezogenen 50000 Mann. Nach dessen Erkrankung ging Sobieskimit diesen Truppen über den Dnjestr, und am 11. November 1673 schluger im Angesicht der türkischen Garnison von Kamenz den SeraskierHussein bei Chotin. Darnach schickte er sich schon an, zur Donauzu gehen, aber eine russische Armee unter Romodanowski kam be-reits zur Vereinigung mit Sobieski's Heere heran, als der (am 10. No-vember erfolgende) Tod Michael Wischnewjezki's ein fünf-monatliches Interregnum herbeiführte, bis am 21. Mai 1674 JohannSobieski zum König ausgerufen wurde.

Während des Interregnums führte der Sultan (1674) abermals einenZug zum Dnjestr aus, nahm Chotin, ernannte den Pascha SchischmanIbrahim zum Regenten von Kamenz und Podolien, rückte in die rechts-ufrige Ukraine, um die Städte derselben zu unterwerfen, welche nochnicht von Doroschenko eingenommen waren, und kehrte, nachdemer dies vollbracht, nach Constantinopel zurück, überzeugt davon, dassdie Polen nicht im Stande sein würden, irgend etwas Wichtiges gegenKamenz zu unternehmen.

Wirklich konnte Sobieski kaum erst am 23. September 1674 miteinem Heer zu Felde ziehen, um Doroschenko wieder einige Städtein der Ukraine zu entreissen. Im folgenden Jahre 1675 liess der Man-gel an Geld und der Streit des Königs mit Patz, welcher in Folge dessendas lithauische Heer nach Lithauen fortführte, wie es schien, auf keinengrossen Erfolg hoffen. Trotzdem wehrte Sobieski mit seinem gewöhn-lichen Mnth am 24. August 1675 die Tataren von Lwow ab, zwang dieTürken nach Kamenz zurückzugehen, verfolgte sie über den Dnjestrund kehrte dann nach Krakau zurück, um bei dem Krönungsreichstagedaselbst (2. Februar 1676) die Polen zu einem entscheidenden Kriegemit den Türken und Tataren zu vermögen. Der Reichstag versprach,ihm 100 000 Mann zu stellen; als aber der neue Seraskier Schaisan-Pascha im Jahre 1676 in Galizien einrückte, vermochte Sobieskinur mit Mühe 13 000 Mann zusammenzubringen, mit welchen er den