8. Kriege der Türken (1618—1699). 283
gleichen Namen Candia, hielt sich noch volle 2 Jahre und unterwarf sicherst am 6. September 1669 mitsammt der ganzen Insel. Nachdem erdiesen Erfolg errungen und den candiotischen Krieg mit Venedigbeendet hatte, beschloss Muhammed, SeineWaffen gegen Polen zu keh-ren, zum Schutze der kleinrussischen Kasaken der rechten Dnjeprseite,mit welchen Doroschenkoin diesem selben Jahre sich von Polen los-gerissen und dem Sultan den Unterthanen-Eid geleistet hatte. Der ehr-geizige Doroschenko strebte danach, auf beiden Seiten desDnjepr alsHetman zu herrschen, hatte aber die Hoffnung verloren auf die Herrschaftin der Ukraine jenseits des Dnjepr, welche seit der Ernennung Mnogo-gräschni's zu ihrem Hetman (1668) dem Zaren Alexei Michailo-witsch treu geblieben war, und zog es nun vor, Hetman in der rechtsufri-gen Ukraine unter der Oberhoheit des Sultans, als unter der des polnischenKönigs Michael Wischnewj ezki zusein. Der von Letzterem am2. September 1670 'in Ostrog Volhynski mit ihm geschlossene Vertragblieb ganz wirkungslos, und der König, entschlossen, die rechtsufrigeUkraine durch Waffengewalt in die Gewalt Polens zurückzubringen, tratdiese auf die Gadjatscher Bedingungen dem Koschewoi Chanenka ab.Im Jahre 1671 gelang es Sobieski für kurze Zeit, Doroschenkodurch Gewalt der Waffen zu bändigen und ihn in Tschigirin einzuschlies-sen. Die Polen dachten, dass die Sache damit abgemacht sei, und ver-achteten die Drohungen des Sultans, indessen schlössen sie am 9. April1672 ein Bündniss mit dem Zaren Alexei Michailo witsch, welchersich verpflichtete, für den Fall eines Krieges zwischen Polen und derTürkei Ersterem Hülfe zu senden.
Dieser Krieg entspann sich in der Folge, und Muhammed selbsterschien mit 150000 Mann unter Achmed Köprili's Leitung imAugust 1672 an den Ufern des Dnjestr, belagerte Kamenz, das er nach10 Tagen einnahm (29. August), und stellte sich bei Butschatscha(am Stripaflusse im östlichen Galizien zwischen Tschortkow undHalitsch)auf, indem er den Tataren und Doroschenko auftrug, Lwow zu neh-men und dessen Umgegend zu verwüsten. Während die unbedeutendeGarnison von Lwow sich tapfer zur Wehr setzte, erhob sich in Golembin Grosspolen seit dem Oktober eine Conföderation zur Rettung des Va-terlandes, und die königlichen Gesandten, schlössen am 18. Oktober inButschatscha einen schimpflichen Frieden, durch welchen Kamenzund Podolien an die Türkei, und die rechtsufrige Ukraine an die derTürkei untergebenen Kasaken abgetreten wurde und Polen sich ver-pflichtete, einen jährlichen Tribut von 22 000 Dukaten an die Türkei zuzahlen.
In Folge dessen gerieth ganz Polen in Aufregung, und ausser derGolembsker Conföderation bildeten sich noch zwei andere in Lowicz,