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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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282 I. Kriege von 16131689.

die Oesterreicher bei Gran, eroberte dieFestungUivar (deutsch: Neuhäu-sel),welche für uneinnehmbar galt, und machte sichOesterreich, Deutsch-land und Westeuropa so furchtbar, dass die Reichsfürsten und sogarFrankreich dem Eeiche Oesterreich zu Hülfe kamen. Der berühmteMontecuculi schlug 1664 die Türken bei Lowenz und St. Gott-hard, und Achmed Köprili zog sich nach Wasswar zurück. Hierschlössen die österreichischen Minister, zum grossen Missvergnügen derVerbündeten, einen Frieden mit der Türkei, der für diese weit vortheil-hafter war, als für Oesterreich: Uiwar, Serinvar und Grosswardein blie-ben in der Gewalt der Türken.

Während dessen hatte in der Ukraine der ehrgeizige von Polen ein-gesetzte Hetman derselben auf der rechten Dnjepr-Seite, Doros chenko,den Entschluss gefasst, nicht unter Polens Herrschaft das Hetmans-Amtzuführen. Und als Johann Kasimir, nach seinem erfolglosen Zuge von

1665 nach Gluchow (s. oben §.41), das Misslingen desselben an den Kasakenzu rächen begann, welche er im Verdacht des Verraths hatte, sammelteDoroschenko die missvergnügten Kasaken um sich, schlug im Jahre

1666 die Polen bei Batog und stellte sich unter den Schutz der Türkei(s. oben §. 42). Aber Johann Kasimir vermochte Doroschenko'sEmpörung nicht niederzuwerfen, weil er eine andere in Polen selbst,unter Ljubomirski, zu dämpfen hatte. Dies machten sich die Feindezu Nutze, indem 80 000 Tataren und 3000 Janitscharen, an deren SpitzeDoroschenko mit den Kasaken sich befand, inVolhynien eindrangen,mit der Absicht, ganz Polen zu unterwerfen. Vergebens rief JohannKasimir die Pospolitoje Ruschenie auf zur Unterstützung des Gross-hetmans S o b i e s k i, welcher mit einem 1 Omal schwächeren Heere sichin Podgainach (einer P o t o z k i' sehen Besitzung an dem Kroperflusseim Tscherwonner Russland oder Galizien, 16 Meilen östlich von Kamenzund 5 Meilen vom Dnjestr) tapfer vertheidigte. Die Schljachta gehorchtedem Könige nicht, aber der Muth und die Geschicklichkeit Sobieski'striumphirte über die numerische Ueberlegenheit der Tataren und Türken:am 15. Oktober 1667 besiegte Sobieski sie nicht nur, sondern veran-lasste sogar die Tataren, ein Bündniss mit Polen zu schliessen, und denDoroschenko, sich aufs Neue dem Könige zu unterwerfen, in einembesondern Vertrage (19. October 1667)*).

Die Türken fuhren angesichts dessen fort, an der Donau zu denWaffen zu greifen, Achmed Köprili ging noch im Frühjahr 1667mit dem türkischen Hauptheere nach Candia ab, um dem candiotischenKriege, welcher mit Unterbrechungen 21 Jahre (seit 1645) gewährthatte, ein Ende zu machen. Aber die Hauptstadt der Insel, mit dem

*) Pawlischtschew: Poln. Gesch. und poln. Anarchie.