278 I. Kriege von 1613—1669.
der Marsch auf Chotin wurde fortgesetzt. Am 30. August schlugen seineVortruppen die polnische, 5 000 Mann starke Avantgardencavallerie.Endlich am 31. August (3 Monate nach dem Ausmarsch aus Constantino-pel) erschien Osman mit seiner Hauptmacht vor Chotin, wo sich derKrym-Khan mit ihm vereinigte. Zu dieser Zeit stand, nach türkischenHistorikern, der Kanzler von Polen (Chodkjewicz) mit 4000 Polenund 8000 Deutschen in einem verschanzten Lager amDnjestr, und 60000Polen in einem gleichfalls verschanzten Lager bei Kamenz. Das türkisch-tatarische Heer schloss das erstere dieser Lager von allen Seiten ein. DerMoldauer Wojewode Stephan Tomsa, Feind der Polen und von Os-man eingesetzt, erhielt von Letzterem Befehl, eine Brücke über denDnjestr zu schlagen. Am 8. September erfolgte der erste erfolgreicheSturm auf das polnische Lager: Türken und Tataren nahmen da-bei 12 Geschütze und 34 Fahnen, über 4000 Polen blieben auf demPlatze. Am 9. September ging der Nogaie Kantemir-Marsa überden Dnjestr und machte einen Verheerungseinfall in das polnische Ge-biet. Am selben Tage ward ein zweiter Sturm auf das polnische La-ger unternommen, aber durch des Feuer der polnischen Artillerie abge-wiesen. Der dritte Sturm hatte ebenfalls keinen Erfolg. Der vierteam 14. September war der heftigste und heisseste, Osman griff per-sönlich den Tabor der Kasaken an, hatte aber auch keinen Erfolg, dieVerluste der Türken waren ungeheuer. Osman setzte zur Strafe da-für den Grossvezier ab undernannte an seiner Stelle Dilawer-Pascha.Der zweite Vezier aber, Hussein, ging auf einer neu hergestelltenBrücke über den Dnjestr. Am 23. September machten die Polen einenverzweifelten nächtlichen Ausfall und fügten dem Feinde vielen Scha-den zu. Am 24. September endlich erfolgte ein fünfter Sturm unddanach der sechste und letzte, bei welchem den ganzen Tag, vomMorgen bis zur Nacht, ungewöhnlich hartnäckig und blutig gekämpftwurde, ohne dass die Türken irgend welchen Erfolg errangen. AmTage nach diesem sechsten Sturmangriff wurde in Osman's LagerKriegsrath gehalten und beschlossen, dem Heere 30 Tage (d. h. also bisEnde Oktober) Kühe zu geben und nur die Einschliessung des polnischenLagers fortzuführen. Aber der Eintritt des Herbstes und die beidersei-tigen ungeheuren Verluste regten auf beiden Seiten den Wunsch nachFrieden an. Durch Vermittelung des wallachischen Hospodars Radulwurden Verhandlungen darüber angeknüpft. Ungeachtet des in Chotinbald erfolgenden Todes von Chodkjewicz bewog Dilawer-Paschaden Osman zum Frieden, welcher am 7. Oktober auf die Bedingungen desVertrages von Jaruga (s. oben) und mit der Verpflichtung für Polen, jährlichdem Krym-Khan pünktlich den Tribut zu zahlen, abgeschlossen wurde.So endete, — günstig für den Khan, ungünstig-aber für den Sultan