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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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S. Kriege der Türken (16181699) 277

in ihr Lager zurückgeworfen und zum Abzüge gezwungen. 17 Tagedauerte ihr Rückzug bis zum Dnjestr, und jeden Tag hatten sieKämpfe mitden heftig verfolgenden Tataren zu bestehen. Nach ihrer Ankunft amDnjestr am 7. Oktober, und während sie über denselben setzten, entstandbei den Polen eine grosse Unordnung. Die Tataren benutzten dies zueinem ungestümen Angriffe auf sie. Dadurch wurden die Niederlage undFlucht der Polen eine allgemeine, und ihre Verluste ganz ungeheuer.Sholkjewski und Graziani fielen, Kalinowski ertrank imDnjestr, Konjezpolski gerieth in Gefangenschaft, kurzum dasganze polnische Heer wurde fast total vernichtet. Diese für die Polen sounglückliche Schlacht, am 19. und 20. September beiZezora am Pruth be-gonnen undam 7. Oktober am Dnjestr beendet, ist unter dem allgemeinenNamen der Schlacht bei Zezora am 7. Oktober 1620 bekannt*).

Auch auf dem Meere war das Glück in diesem Jahre den Türkenmehr hold, als im Jahre 1619, wo die Florentiner ihnen viele Galeerenweggenommen hatten. Der Kapudan-Pascha Chalil griff, mit 40 Ga-leeren von Navarin nach Manfredonia segelnd, diese Stadt an, nahm bin-nen drei Tagen deren Burg. verheerte Alles mit Feuer und Schwert undkehrte dann mit reicher Beute heim. Die Malteser eroberten dagegendas Schloss Tornese auf Morea.

Zur selben Zeit unterstützte die Türkei Bethlen-Gabor und dieAufständischen in Ungarn, Oesterreich und Böhmen.

Die furchtbare Niederlage des polnischen Heeres bei Zezora, wobeidie Blüthe des polnischen Adels umgekommen war, nöthigte die Polenim nächsten Jahre zur Aufstellung eines zahlreichen Heeres um so mehr,als der Sultan 0 s m a n in eigener Person mit ungeheurer Heeresmachtgegen Polen heranzog. Der das polnische Heer befehligende HetmanChodkjewicz, durch Sagaidatschno mit den Kasaken unterstützt,hatte sich bei Chotin stark verschanzt. Osman aber brach am 23. Maimit einem starken Heere aus Constantinopel nach Adrianopel auf, woer 10 Tage verweilte, um die Truppen im Schiessen und Manövriren zuüben. Am 11. Juni zog er über Jamboly und den Balkan nach Izjaktschy.Der Uebergang über den Balkan war in Folge des Regens sehr beschwer-lich und kostete viele Verluste an Menschen und Pferden. Nach derAnkunft bei Izjaktschy am 12. Juli Hess Osman eine Brücke über dieDonau schlagen, welche am 30. Juli fertig war ; so dass das Heer denUebergang beginnen konnte. Am 8. August sties's in der Moldau Dila-wer Pascha, Beglerbegvon Diarbekir, mit seinen Truppen zu ihm. und

*) Hier gerieth auch der junge Bogdan Chmjelnizki in türkische Gefan-genschaft, als er, seinen schwerverwundeten Vater erblickend, sich auf die türkischenReihen stürzte, um ihn zu retten.