266 I- Kriege von 1613—1689.
ster, die Kaiserin Sophia Alexejewna; in der Hoffnung, durchSiege das Vertrauen des russischen Volkes zu ihrer staatsmännischenBegabung zu erhöhen und dadurch ihre Regierung zu verlängern, be-schloss sie, Russland endlich von den verheerenden Einfällen und An-griffen der Krymhorde und von der Tributzahlung an dieselbe zu befreien.Zu diesem Zwecke schloss sie ein Bündniss mit Polen, Oesterreich undVenedig gegen die Türkei und Krym, brach den Frieden von Bakhtschi-sarai von 1681 mit ihuen, und stellte ein zahlreiches Heer [40 000 Solda-ten und Strelitzen, 20 000 Lanzenträger (Pikeniere) und Reiter, undungefähr 40 000 Mann vom Moskauer Tschin (Etat, Corps), Diensthuer ausdem Regimentsdienste, Kasaken und verschiedene andere Leute, im Gan-zen etwa 100000 Mann] auf. Es war in acht Corps getheilt, welche vondenBojaren Schtscherbatow, Smejew, General Schepelew, unddem Rathsdjaken Ukrainzew befehligt wurden. Die nowgoroderRegimenter commandirte Schein und Fürst Barjatinski, die vonRjäsan Fürst Dolgoruki und Skuratow, die sjewsker — Neplju-j ew, die der Städte von der Flussmündung — Leontjew und D m i -trjew-Mamonow, die bjelgoroder — Schereruetjew, und diekleinrussische Kriegerschaft — der Hetman Ssamoilowitsch. DenOberbefehl über das gesammte Heer übertrug die Zarewna ihrem Günst-ling, dem klugen und gebildeten Bojaren, Fürsten WassiljiWassilje-witsch Galitzin, welcher die Titel »Generalissimus des Heeres, Gross-Siegel-Bewahrer , Staatskanzler und Nowgoroder Statthalter« führte *j.Es war ihm drückend, einem Andern die Ehre der Eroberung der Krymzu überlassen, aber damit zugleich war es seine Pflicht, wie die der Re-gierung, auch den Fall eines Misslingens zu erwägen. Man kann an-nehmen, dass Galitzin wider Willen den Oberbefehl über das Heerübernahm, denn die ihm feindlichen Bojaren verlangten gerade dies, dasie wussten, auf welche Hindernisse er stossen würde** 5 ). Die Versamm-lung des Heeres ging, wie gewöhnlich, sehr langsam von statten, undtrotz harter Zwangsmittel erschienen viele Gutsbesitzer nicht zumDienste ***). In dem zu Moskau im Beisein beider Kaiserinnen abgehal-tenen Rathe wurde beschlossen, dass,-wenn die VenetianerMorea angrei-fen, die Polen in die Moldau und Podolien einfalleu, die Oesterreicheraber die Kriegsoperationen in Ungarn und Siebenbürgen weiterführenwürden, dann auch das russische Heer in die Krym einrücken sollte.Und so geschah es denn auch, — die glänzenden Erfolge der Vene-
*) Wörtlich: »Wojewocle des grossen Eeib-Regiinents, Verwalter der grossenzarischen und hohen Staats-Gesandsehafts-Angelegenheiten. Anm. d. Ueb.
**) Solowjew, Geschichte Russland's.***] Ebenda.