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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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264 I. Kriege von 16131689.

verschiedene Regimenter ständen, dann würden die Bojaren undWqjewoden untereinander Rangstreitigkeiten beginnen, keinerdem Andern sein Regiment überlassen und Unzufrieden-heit werde die Folge sein. Im vergangenen Kriege mit dem FürstenRomodanowski wären viele Ratnye Ljudi gewesen, wie sieaber nach Tschigirin und von dort .fortzogen, da waren in den Kämpfensehr wenige, nur Soldaten-und Strelitzen-Regimenter, und beidenStrelitzen selbst waren wenige Leute, nur je 300 Mann, die Uebrigen be-fanden sich alle beim Tross; von den Reitern und städtischen Dworjanensei nur Streit und Zank gekommen; die Obersten und Häupter hät-ten unaufhörlich zum Hetman umHülfsmannschaften geschickt, der Het-man habe ihnen seine Leute gesendet, er selber blieb nur mit seinemHofe und dem Dragonerregiment zurück, welches, auf Befehl des Zaren,bei Kriegsanlässen immer bei ihm sein soll;« das ist die beste und wahr-ste Beurtheilung des Verhaltens der russischen Wojewoden und Truppenzu jener Zeit, und jener Disciplinlosigkeit, welche stets beidenEinen wie bei den Andern herrschte und die natürlicherweise Schuld trug,dass nur wenige Erfolge zu verzeichnen waren, wie viel Wojewoden undTruppen auch da sein mochten, ja desto weniger Erfolge, je mehr vondiesen! Danach ist es auch nicht zu verwundern, dass Romoda-nowski in allen drei Feldzügen fast Nichts zu thun verstand und ver-mochte, und nicht einmal das Wichtigste ausführen konnte, was er selbstgerathen hatte, Tschigirin zu behaupten!

Mit dem letzten unglücklichen Feldzuge beendete übrigens Romo-danowski seine lange kriegerische Laufbahn : er wurde nach Moskauberufen, und Ssamoilowitsch setzte nun allein die Kriegsoperatio-nen auf der rechten Seite des Dnjepr fort. Er schickte seinen SohnSemen mit einem Heere dahin, und die Einwohner von Rshischtschew,Kanjew, Korsun, Tscherkass und anderen Dnjeprstädten schworen demZaren, alle Städte aber, Dörfer, Flecken und Weiler in der West-Ukrainewurden (nach russischen Quellen) niedergebrannt, damit sie in Zu-kunft nicht dem Feinde zum Zufluchtsorte dienen konnten!

Inzwischen befolgte die polnische Regierung seit 1676 eine sehr arg-listige und doppelzüngige Politik in Bezug auf Russland. Ungeachtetder vorhergegangenen Verträge wollte sie demselben in dem Kriege mitder Türkei nicht Hülfe leisten, forderte aber, dass Russland sein Heermit dem polnischen vereinigte zu gemeinschaftlichem Kriege gegen Tür-kei undKrym, mit denen sie indessen geheime Beziehungen angeknüpft,über ein Bündniss unterhandelt und sie gegen Russland aufgehetzt hatte,wie sie auch Doroschenko und Juri Chmjelnizki unterstützte, und endlich verlangte sie die Rückgabe aller Städte, welche in Weiss-russland und Lithauen durch AlexeiMichailowitsch erobert wor-