Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
Entstehung
Seite
263
Einzelbild herunterladen
 

7. Eussische Kriege unter den Zaren Feodor Alexejewitsch etc. 263

untere grosse Stadt getrieben; am 11. August wurden diese Minen ge-sprengt bei dem Flusse Tjasmin nahe bei den Häusern, welche auch nie-derbrannten ; die Belagerten, als sie die Flammen sahen, wollten überdie Brücke in die Wagenburg zu den Ihrigen fliehen, aber die Türkenzündeten die Brücke an, und viele Bussen kamen im Flusse und durchdie Minensprengungen um. Gleichzeitig mit der unteren Stadt gelanges den Türken, auch die neue obere Stadt in Flammen zu setzen, welcheerst kürzlich von Bshewski aufgebaut worden war; nun setzten sichdie Bussen in der alten oberen Stadt fest, schlugen sich bis zum Abendmit den Türken, und trieben sie zwei mal aus dieser Stadt heraus.' Inder Nacht erhielten sie von Bom od an owski und Ssamoilowitschden Befehl, die Stadt anzuzünden und zu ihnen ins Lager zu kommen,was dann auch geschah. Mit Tagesanbruch zogen Bomodanowskiund der Hetman mit allen Truppen zum Dnjepr und verliessen die bren-nenden Buinen von Tschigirin. Der Feind verfolgte sie, aber ohne Be-sultat, am 20. August waren vor Tschigirin weder Bussen mehr, nochTürken und Tataren.

So hatten also Bomodanowski und Ssamoilowitsch wedervermocht, Tschigirin zu behaupten und dann von der Belagerung zu be-freien, noch es unversehrt zu bewahren, sondern hatten es in Flammenund Trümmer gelegt. Aber damit war noch nicht Alles zu Ende: derVezier zog ab, C h m j e In i zki aber mitden Tataren blieb auf dem rech-ten Dnjeprufer, nahm Nemirow, Korsun und andere Städte, ging dannsogar auf das linke Ufer, und der ganze Herbst und Winter vergingen so-mit in beständiger Unruhe. . .

Im März 1679 traf, von Ssamoilowitsch abgesandt, der be-rühmte Woiskowoi Towarischtsch (zum Kasakenheere gehörende Ge-hülfe)*) Iwan (Johanu) Stephanowitsch Mazeppa in Moskauein und hatte mit dem Eathsdjaken Lopuchin eine interessanteUnterredung, welche die Art und Weise des Verhaltens der russischen"Wojewoden und Heere jener Zeit und besonders Eomodanowski's inden vorhergegangenen Feldzügen in helles Licht stellt. »Es sei noth-wendig«, sagte Mazeppa, »dass zur Vertheidigung von Kiew und ganzKleinrussland viele Truppen, aber wenige Bojaren und Wo-jewoden gesendet würden, und dass die Batnye Ljudi (Kriegsleute)ihnen gehorchten, und dass nur ein Ober- (Gross-) Wojewodesei: wenn es viele Bojaren und Wojewoden seien und unter diesen

*) Etwa als »Adjutant und Secretair« aufzufassen. Anm. d. Ueb.