Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
Entstehung
Seite
262
Einzelbild herunterladen
 

262 I. Kriege von 16131689.

Rshewski, einem durch Reehtschaffenheit und erprobte Klugheit be-kannten Manne auf, sich mit den Kleinrussen in Einvernehmen zu setzen.In Kiew sollte Rshewski Getreidevorräthe mit sich nehmen, fürwelche der Hetman die Fuhren stellen sollte, und ebenso die kleinrussi-schen Regimenter und denTheilvon Romodanowski's Truppen, wel-cher zur Besatzung von Tschigirin bestimmt war. Aber Nichts von demAllen fand er in Kiew vor, er traf ohne Vorräthe und Truppen am17. März in Tschigirin ein, fand eingestürzte Mauern, leere Kornspeicher,und hörte von den unaufhörlichen Einfällen.der Tataren. Als dies inMuskau bekannt wurde, fragte man Romodanowski in Kursk undSsamoilowitsch in Baturin, warum sie nicht Truppen, Vorräthe undFahrzeuge gestellt hätten ? Der Erstere antwortete, dass er ungesäumtzum Dnjepr aufbrechen und für Tschigirin Sorge tragen wolle, derHetman, dass er kein Heer beisammen habe, aber schleunigst Truppen,Vorräthe und Fahrzeuge nach Tschigirin senden werde. Wirklich kamensie zum Glück noch rechtzeitig daselbst an: Romodanowski undSsamoilowitsch trafen in dem Bushinsker Hafen am linken Dnjeprufer,Tschigirin gegenüber, in den ersten Tagen des Juli ein, am 6. Juli be-gann das UebersetzenihrerTruppen, während der türkische Vezier Kara-M u s t a p h a erst am 9. Juli vor Tschigirin anlangte. Das Uebersetzen derTruppen desWojewoden und des Hetmans jedoch ging sehr langsam vonstatten, der grössere Theil derselben befand sich noch auf dem linkenUfer, als am 10. Juli die Tataren, welche heimlich beiKrylow auf diesesUfer übergegangen waren, auf die russischen Wagen einen Ueberfall ver-suchten; sie wurden jedoch mit Verlust abgewiesen. Ebenso erfolglos warder Angriff des Feindes am 11. Juli auf die russische Avantgarde, welcheschon das rechte Ufer erreicht hatte. Am 12. Juli waren bereits sämmt-liche russische Truppen auf dem rechten Ufer, auf den Bushiner Feldern,und standen im Kampfe gegen 5 türkische Pascha's und den Krym-Khan.Von nun an fielen täglich Gefechte auf beiden Seiten vor, weil ein Theilder Türken, welcher vor dem von ihnen belagerten Tschigirin über Kry-low gegangen war, auf 7 Werst von dem russischen Heere ein Lager be-zogen hatte und von hier aus fortgesetzte Angriffe auf das russischeLager unternahm. Am 29. Juli erschien dem russischen Heere zur Hülfeder Flirst Tscherkasski mit Kalmyken und Tataren, mit denen eran den Gefechten lebhaften Antheil nahm. Am 3. und 4. August be-mächtigten sich die Russen nach besonders heissen Kämpfen eines wich-tigen Punktes, des Strelnikower Berges, näherten sich Tschigirin undtraten in Verbindung mit dieser Stadt. Aber Rshewski war schonnicht mehr unter den Lebenden: am 3. August ward er auf der Stadt-mauer durch eine feindliche Granate getödtet. Hiernach hielt sich Tschi-girin nicht mehr lange: die Türken hatten drei Minengänge unter die