250 I. Kriege von 1613—1689.
oder Bulan, vertheidigten sich mit verzweifeltem Muthe über 3 Mo-nate (1. [11.] Juni— 10. [20.] Oktober) ; beide Seiten verrichteten Wun-der von Tapferkeit, und nur die heftige Kälte zwang die Belagerten zurUebergabe. Czarnezki jedoch enthielt sich für diesmal der Rache,trotzdem die Belagerung von Stawischtsche ihn 3 Monate aufgehaltenund ihm an 6 000 Mann gekostet hatte, er gab der Stadt nur auf, einpolnisches »Donativ« oder Geschenk an die Tataren zu zahlen, d. h. ein-fach eine Abgabe, und Hess sogar die Kirchenglocken fortnehmen, derenKlang die Kasaken zum Aufruhr hätte rufen können! Dann legte erdas Heer in Winterquartiere und bat den König, es durch Zahlung desGehaltes zu befriedigen, da es sonst meutern würde. Aber das erwiessich als unmöglich.
In Lithauen hatten zu Anfang des Jahres die russischen Truppeneinige Städte eingenommen und Chowanski hatte glücklich gegen dieLithauer gefochten. Zu Ende April schlugen die Polen vor in Friedens-unterhandlungen einzutreten, welche ohne Erfolg sich bis zum Augusthinzogen, dann aber bis auf spätere Zeiten aufgeschoben wurden.
§.41.Krieg im Jahre 1666.
Den ganzen Winter hindurch gaben die Kasaken und die Bewohnerder westlichen Ukraine den polnischen Truppen keine Ruhe in ihrenQuartieren, und in Stawischtsche entstand Anfang Januar ein Aufruhr.Czarnezki sendete Machowski dorthin, dieser aber ward ge-schlagen. Nun ging Czarnezki ergrimmt selbst hin, nahm dieStadt mit Sturm, Hess die Starschinen tödten, die Stadt plündern undniederbrennen! Aber bei dem Sturm war er verwundet worden, gab denOberbefehl über die Truppen ab, begab sich nach Lwow, empfing aufdem Wege dahin die Keule des Feldhetmans und starb am 6. (16.) Fe-bruar unweit Dubno, den Ruf eines tapfern, fähigen und geschicktenHeerführers hinterlassend, aber ohne seinesgleichen an Grausamkeit,nur den Jeremias WLscknjewezki ausgenommen.
Nach seinem Tode übernahm der russische Wojewode (d. h. vonrussischem, ukrainischem Volksstamm) Jablonowski den Oberbefehlin der Westukraine. Er hielt sich nur in Bjeloe Zerkow vor Gefahr sicherund bemühte sich, wenigstens die 3 Hauptpunkte Tschigirin, Korsun undTscherkassy im Gehorsam zu erhalten. Seine Lage war wirklichschwierig : das polnische Heer empörte sich, da es keinen Sold bekam;die Kasaken hatten bei dem Khan Unterstützung gefunden, welcher er-kannt hatte, dass es ihm besser sei, einen Hetman aus sich aufzustellen,