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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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6. Russische Kriege unter Alexei Michailowitsch (16581666). 247

waren. EinKriegsrath wurde zusammenberufen und beschlossen, gegendie überlegenen Kräfte des Gegners keinen Kampf zu unternehmen(unwahr, denn Tscherkasski hatte kaum über 30 000 Mann, der Kö-nig jedenfalls mehr), sich in das sumpfige und unfruchtbare Land nicht zuwagen (früher hatte man diese Ansicht und Absicht nicht'?), und sich aufVertheidigung der Desna zu beschränken, um im Fall des Unterliegensim Kampfe gegen den stärkeren Feind eine freie Rückzugs-linie zu haben! Von dem Plane eines Zuges nach Russland undauf Moskau waren die Polen also rasch abgekommen und zu dem Ge-danken der eigenen Vertheidigung und Rettung übergegangen; aber einsolches Ueberspringen von Hochmuth und Stolz zu sklavischer Unterwür-figkeit und Demuth lag von jeher in ihrem Charakter. Heimlich wurdebeschlossen, einfach ungesäumt nach Hause abzurücken, um aber dasHeer nicht zu beunruhigen und zu reizen, wurde laut ein Zug indas Innere des feindlichen Gebietes proklamirt (nicht vor-wärts , sondern rückärts!). Man nahm deshalb seine Zuflucht zur List:Polubinski mit den lithauischen Regimentern und Bidzinski miteinem Theil der Kronsreiterei erhielten Befehl, nach Karatschew zu gehenund Tscherkasski aufzuhalten (mit schwächeren Kräften den stär-keren Gegner !); zwei lithauische Regimenter sollten die Festung Pogarim Rücken des Heeres besetzen; der König selbst mit Czarnezki gingwieder nach Nowgorod Sjäverski, von wo er soeben erst gekommen war!Diese Bewegung war faktisch ein Rückzug, nach Schuiski'sWorten »obgleich geordnet, doch eilig«, in Wahrheit aber eine Flucht,von den Russen auf den Fersen verfolgt, mit grossem Verluste an Men-schen, Geschützen, Fahrzeugen u. s. w. Das polnische Heer und derKönig selbst wären verloren gewesen, wenn Tscherkasski in den Eng-pässen zwischen Mglin und Kritschew so gehandelt hätte, wie es sichgehörte, für welche Unterlassungssünde er auch verdientermaassenvom Zaren einen strengen Verweis erhielt. Bei Nowgorod Sjäverskitheilte sich das polnische Heer: das Kronsheer mit Czarnezki gingam 14. (24.) März nach Sossnitz, das lithauische mit dem Könige nachStarodub. Von hier aus traf der König mit Potozki und einigen Regi-mentern über Kritschew und Mogilew am 10. (20.) April in Minsk ein,am 5. (15.) Mai in Wilna, und der berühmte Feldzug in Russland war zuEnde! In grossem Maassstabe entworfen, mit wichtigen Zielen und gros-sen Mitteln, ungefähr vier Monate während, nahm er ein klägliches Endeund hatte kein Resultat, zeigte vielmehr nur die völlige Unfähigkeit Polen'szu einem Kriege gegen Russland um Kleinrussland, und wurde, wie ge-wöhnlich, nur bemerkenswerth durch die Verwüstung derselben Länderund Bevölkerungen, welche Johann Kasimir durch gütige und hu-mane Maassregeln von Neuem hatte unter seine Gewalt bringen wollen!