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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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6. Kussische Kriege unter Alexei Michailowitsch (16581666). 239

und den Lithauern fanden häufige aber unwichtige Scharmützel mitwechselndem Erfolge statt. Zu bedeutenderen Affairen kam es hiernicht bis zum September, wo der König von Polen von Neuem aus Polenauf Grodno und Wilna mit einem kleinen Heere marschirte, welches sichmit Mühe in Lithauen durch einen Theil der lithauischen Conföderirtenverstärkte und dann, mit Sapieha und Czarnezki gegen Wilnavorrückend, diese Stadt belagerte. Myschezki machte schon vorhereinen Ausfall, schlug die Lithauer, trieb all' ihr Vieh nach Wilna herein,und sendete 3 000 Mann Fussvolk und 200 Dragoner nach Orscha undDorogobusch, wo sich ein kleines feindliches Corps unter Prszibo-rowski befand. Dieser, vor Dorogobusch geschlagen, warf sich indiesen Ort und wurde von D o 1 g o r u k o w belagert. Aber D o 1 g o r u k o werlitt starke Verluste, hob die Belagerung auf und zog sich nach Polozkzurück. Chowanski, der sich hier verstärkt hatte , unternahm einenZug über Dwina und Desna in der Richtung auf Wilna zu derselben Zeit,als Czarnezki von dem belagerten Wilna nach Polozk zog. BeiGluboki (südöstlich von der Stadt Desna; stiessen beide Heere am27. Oktober aufeinander und es kam zur Schlacht (nach des polnischenHistorikers Krajewski Angaben hatte Chowanski 18000 MannFussvolk und 17 Geschütze, Czarnezki nur die Hälfte). Die Kel-terei Czarnezki's warf die russische Infanterie über den Haufen undeutschied den Sieg: Chowanski wurde geschlagen, verlor 9 Geschützeund eine Menge Gefangener, mit den Uebrigen ging er nach Polozk zu-rück. Mit einem Worte es war dies im kleineren Maassstabe eineWiederholung des Zusammenstosses zwischen Scheremetjew undPotozki und der Niederlage des Ersteren bei Tschudnow im Jahre1660. Binnen 3 Jahren 3 Niederlagen der russischen Heere! DasGlück begünstigte diese entschieden nicht. Es war noch ein Glück, dassCzarnezki den Gegner nicht verfolgte, weil seine Conföderirtensich dazu nicht verstanden und nach Kleinpolen abzogen, worauf Czar-nezki nach Wilna zurückkehrte. Hier setzte Myschezki seine Ver-teidigung hartnäckig fort, erst in der Stadt, dann in der Burg; erschlug 5 Sturmangriffe ab und beantwortete die Aufforderung des Königs,sich zu ergeben, abschlägig, indem er drohte, sich mit der Burg indie Luft zu sprengen, wozu er schon 10 Fass Pulver bereit stellenHess. Aber die bei ihm befindlichen fremden Offiziere bemächtigtensich Myschezki's, um diesem verzweifelten Schritte vorzubeugen, undübergaben Burg und Besatzung dem Könige. Der gefangene My-schezki betrug sich vor dem Könige so hochmüthig, dass er enthaup-tet wurde. Auf diese Weise befand sich die Hauptstadt von Lithauenabermals in der Gewalt des Polenkönigs, ein neues Missgeschick fürRussland! Das königliche Heer wurde darauf in Winterquartiere in