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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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238 I- Kriege von 16131689.

Schauplatz innerer Fehden zwischen Ehrgeizigen, welche um ihrer per-sönlichen Interessen willen bald Russland, bald Polen verriethen undohne Erbarmen ihr eignes Vaterland zerrissen. die Ukraine diente nurzum Zankapfel zwischen Russland und Polen und nährte den Kriegzwischen ihnen, der um so grausamer wurde, als an demselben unausge-setzt auch der beständige, unwürdige Verbündete Polens, die wilde undarglistigeKrymhorde, theilnahm. In seinem allgemeinen Ziele aber hatteder Krieg auf dem ganzen Räume zwischen Niemen und Dwina undDnjepr auch nicht den geringsten Grad von Planmässigkeit, Begründung,Kunst: im Gegentheil war es ein halbbarbarischer Krieg, der aus Ueber-fällen, zufälligen Treffen, Erfolgen und Siegen, Unfällen und Niederlagenbestand, welche nur die Kräfte der Gegner aufrieben und mit Blutver-giessen, Raub und schonungsloser Verheerung des Landes und seinerBewohner durch Feuer und Schwert Hand in Hand gingen. Es war ge-wissermassen eine Wiederholung der Schrecken aus dem 8jährigenKriege zur Zeit der Unruhen in Russland, und des 30 jährigen Krieges inDeutschland.

Aus allen diesen Gründen würde es überflüssig sein, in eine aus-führliche Darstellung der Ereignisse dieses Krieges einzugehen, es ge-nügt vielmehr eine nur in grossen Umrissen gegebene Schilderung seinesweiteren Verlaufes unter Hervorhebung derjenigen Kriegsereignisse,welche den Dingen irgendwie eine andere Wendung gaben, zum Nutzenoder Schaden dieser oder jener von den kriegführenden Parteien.

So beabsichtigte der König von Polen im Jahre 1661, um die Con-föderirten vom Aufstande abzulenken, sie durch den Feldzug in Lithauengegen Russland zu beschäftigen. Aber die Conföderirten gingen nichtmit ihm, und er marschirte mit ungefähr 3 000 Mann grösstentheils neuAngeworbener mit Sapieha und Czarnezki nach Grodno. Dierussischen Truppen räumten diese Stadt, ebenso Minsk und Mogilew.Der König konnte aber Wilna nicht einnehmen , welches von der russi-schen Besatzung unter Fürst Myschezki hartnäckig vertheidigtwurde, und so kehrte er nach Polen zurück, wo heftige Unruhen ausge-brochen waren.

Die russische Regierung zog hiervon Nutzen zur Ergreifung vonVertheidigungsmassregeln: sie verstärkte überall in Weissrussland undLithauen die Garnisonen, sie bildete in Pskow ein neues Heer deutscherFormation, und um sich nach der Seite Schwedens zu schützen, schlosssie mit diesem Reiche am 11. Juni zu Kardis (zwischen Derpt und Reval)einen Frieden auf der Grundlage des Stolbower Vertrages. Inzwischenwurden im Frühling und Sommer die russischen Hauptkräfte bei Smolenskunter dem Fürsten Dolgorukow zusammengezogen, der Fürst O.ho-wanski stand mit einem kleinen Corps bei Polozk. Zwischen ihnen