6. Eussische Kriege unter Alexei Michailowitsch (1658—1666). 235
seitige Vorwärtsbewegung gegen einander zu folgte. Vor Tarnopol hattePotozki an 30 000 Mann polnischer Kronstruppen und ebenso die vonLjubomirski aus Preussen, von Johann Sobieski, Jablo-nowski, Wischnewezki, von vielen ukrainischen Herren, undvon Wygowski herangeführten Truppen zusammengezogen, und vorKonstantinow stiess am 24. August (7. September) Nureddin-Sultanmit 40 000 Tataren zu ihm , und sie marschirten auf Ljubar. In Kiewdagegen erschien von jenseits des Dnjepr Wassilji BorissowitschScheremetjew mit 30000 Mann grösstentheils neu eingestellter undschlechter Cavallerie, welche nach der Katastrophe von Konotop ange-worben waren. Ausserdem befanden sich bei Seh er emetjew dieObersten Zyzura und Apostol mit den Kasaken des linken Ufers.Von Kiew marschirte Scheremetj ew nach Chwastow, in dessen NäheJuri Chmjelnizki (der sich schon den Polen zuneigte) mit den Ka-saken des rechten Ufers stand, und beschloss, nach Rothrussland (Gali-zien) auf zwei Strassen zu marschiren, er selbst auf Kotelwa (heutigesKotelnja südöstlich von Shitomir) , Chmjelnizki auf Berditschew undSloboduschtsche. Ende August a. St. brach Scher emetjew zum Feld-zug auf. Unterwegs stiessen die Kasaken von Uman und andern Regi-mentern des rechten Ufers zu ihm. Bei Tschudnow angelangt (zwischenShitomir und Ljubar) ging er, in der Annahme, dass Chmjelnizkinicht fern hinter ihm marschire, vorwärts nach Ljubar, und stiess dortganz unerwartet auf das gesammte polnisch-tatarische Heer, welchesihm an Kräften bedeutend überlegen war. Er verschanzte sich sofortund erwehrte sich 12 Tage lang tapfer des ihn [ganz einschliessendenFeindes, am 13. Tage aber, 17. (27.) September, vor Tagesanbruch sen-dete er seinen ganzen Tross und den schwächeren Theil seiner Kräftezurück und folgte mit seiner Hauptmacht und den besten Regimenternnach, die heftig verfolgenden Tataren kräftig abwehrend; er erlittaber grossen Verlust an Leuten und büsste 9 Geschütze und 400 Fahr-zeuge ein. Kaum hatte er am Morgen des 18. (28.) September Tschud-now erreicht, als hinter ihm die Polen erschienen und das die Stadt be-herrschende Schloss und Berg besetzten. Scheremetj ew bemäch-tigte sich so vielen Proviants als möglich, zündete die Stadt an und bezogneben derselben ein verschanztes Lager. Die Polen schlössen ihn darinein und eröffneten das Feuer darauf. So vergingen 8 Tage, als diePolen von dem (erst jetzt!) Anmarsch Juri Chmjelnizki's hörten.Potozki schickte ihm sogleich Ljubomirski mit den Tataren ent-gegen, er selbst blieb mitdenPolen Scheremetj ew gegenüber stehen.Chmjelnizki marschirte absichtlich langsam und blieb 3 Tage inSloboduschtsche halten, 25 Werst von Tschudnow entfernt. Als Lj u -bomirski mit den Tataren herankam, schickte Chmjelnizki ihm