220 I. Kriege von 1613—16S9.
5. Juli zog der Zar feierlich in Polozk ein. arn 15. brach er schon mitdem Heere von da auf und ging am rechten Dwinaufer nach Livonienhinein. Am 31. Juli, zwei Stunden vor Tagesanbruch, führten 3400russische Krieger einen Sturm auf die schwedische Stadt Dünaburg aus.hatten bis V2 Stunde vor Tagesanbruch bereits die grosse oder untere Stadtin Besitz genommen, dann auch die kleine oder obere, wo sie alle Verthei-diger niedermachten. Am 14. August nahmen sie die sehr feste StadtKokenhusen (die altrussische Stadt Kukenois) , wobei 67 Menschen um-kamen und 430 verwundet wurden. Der Zar gab diesen beiden erober-ten Städten andere Namen: Dünaburg wurde Borissogljebow, Koken-husen aber Zarewitschew-Dimitriew genannt, dann nachdem er den Für-sten Dolgorukow mit einem Theil der Kräfte nach Derpt detachirthatte, ging er selbst mit der Hauptmacht am linken Dwinaufer hinab.Nach Vereinigung mit den 22 000 Mann des Fürsten Tscher kasskimarschirte er rasch auf Riga und schloss es ein, wobei er auf der Dwinaan 1400 Schiffe mit Kriegs- und Proviantvorräthen hatte. Die Garnisonund die Einwohner von Riga hatten zwar die Vorstädte niederzubrennenvermocht, aber keine Zeit gefunden, die vorstädtischen dichten Gärten zuzerstören, welche den russischen Truppen wirklich auch Schutz gewähr-ten. Während Letztere die Belagerungswälle und Batterieen erbauten,machten die Belagerten Ausfälle, welche indess, der schwachen Be-satzung halber, ohne Erfolg waren und mit Verlust zurückgeschlagenwurden (General Tom und die Obersten Kronmann und Rehbinderbefanden sich unter den Gefallenen). Am 1. September waren die russi-schen Batterieen fertig und eröffneten ein heftiges Feuer auf die Stadt,das Tag und Nacht anhielt und in der Stadt enormen Schaden that. Umdiese Zeit stiessen 7 Regimenter fremder Formation und eine bedeutendeAnzahl Strelitzen zum russischen Heere. Zu den anfänglichen Erfolgender russischen Waffen trug auch das viel bei, dass in Riga grosse Kälteherrschte, in Livonien aber kein einziges altes schwedisches Regimentstand: die besten Regimenter befanden sich damals alle in Preussen.Nichtsdestoweniger vertheidigte der schwedische Gouverneur von Riga,Graf Magnus de la Gar die, die Stadt äusserst hartnäckig undübergab sie nicht, setzte sogar noch immer die Ausfälle fort.
Bald darauf gewannen aber die Dinge vor Riga ein ganz anderesAnsehen, zu Gunsten der Schweden, und sehr zum Nachtheil der Rus-sen. Mit Eröffnung der Belagerung waren mehrere fremdländische Offi-ziere aus dem russischen Heere zu den Schweden nach Riga übergegan-gen: sie theilten mit. dass am 12. oder ganz bestimmt am 16. Septemberdie Russen einen grossen Sturm unternehmen wollten. Aber er fandnicht statt. weil die Russen plötzlich (wie Fremde erzählten — in FolgeVerraths) den grössten Theil ihrer Schiffe auf der Dwina einbüssten.