5. Russische Kriege unter dem Zaren Alexei Michailowitsch (1645—1685). 219
zum Kriege gegen Schweden verleiten liess, — ein politischer Fehler,den die moskauische Regierung in der Folge, aber zu spät, erkannte,als es bereits unmöglich war, ihn zu redressiren. Vergebens suchteKarl Gustav, von Dänemark und Russland bedroht, den Krieg mitletzterem Reiche abzuwenden: seine Gesandten trafen in Moskau erstein, als A11 e gr e 11i seine Ziele bereits erreicht hatte.
Mit den politischen Verhandlungen über alle diese Gegenstände gingdie ganze erste Hälfte des Jahres 1656 hin, was jedoch auf die Fort-setzung der Kriegsoperationen der Schweden in Polen ohne Einfluss war,dagegen die der russischen Truppen in Lithauen und der Kasaken in derUkraine und Kleinpolen aufhielt.
Bevor wir die Ereignisse des russisch-schwedischen Krieges- be-trachten , müssen wir in Kürze erwähnen, was in Polen geschah , dennBeides stand im Zusammenhange.
Gleich zu Anfang des Jahres 1656 war Johann Kasimir mitHülfe der Tyschofzer Conföderation Potozki's aus Schlesien nachLwow gegangen, wo er einen Aufruf an das Volk erliess, in der Un-möglichkeit aber, entschieden gegen die Polen und Schweden vorzugehen,überall Verbündete suchte, bei Oesterreich, wie bei Dänemark, demKurfürsten von Brandenburg, bei Russland, den Kasaken und den Tata-ren; endlich entschloss er sich zu offenem Kriege gegen KarlGustav in Polen. Aber die dreitägige Schlacht bei Prag (28.—30.Juli n. St.), in welcher die Schweden mit den Brandenburgern einenentscheidenden Sieg erfochten, vernichtete alle Hoffnungen JohannKasimir 's. Polen ging unter, und Johann Kasimir, keineRettung mehr für sein Land erblickend, entschloss sich zu Friedens-unterhandlungen mit dem Zaren Alexei Michailowitsch. DieGesandten der Rj ätsch Pospolita erwählten feierlich den Zaren zum pol-nischen König noch bei Lebzeiten Johann Kasimir 's, damit ernach des Letzteren Tode den polnischen Thron besteige (diese Wahlwurde später durch besondere Verträge zu Wilna am 24. und 31. Oktober1656 bestätigt).
Der Zar begab sich noch am 15. Mai von Moskau nach Polozk.Zwei Tage später wurden (17. Mai) die Unterhandlungen mit den schwe-dischen Abgesandten zu Moskau abgebrochen. Noch vor der Abreiseaus Moskau sendete der Zar ein Truppencorps unter P o t e m k i n nachIngermanland, um das Stidufer der Newa und des finnischen Meerbusenszu besetzen. Hinter Potemkin drein wurden die Kasaken dorthingeschickt, um die Schweden im finnischen Meerbusen zu belästigen, wie-sie die Tataren und die Türken im schwarzen Meere geschädigt hatten.Ende Juni nahm Potemkin Orjäschek (das heutige Schlüsselburg)und Kanza (schwedisch Nienschanz) nahe an der Newamündung. Am