5. Russische Kriege unter dein Zaren Alexei Michailowitsch (1645—16S5). 2*21
Dem schwedischen König gelang es, die Garnison von Riga durch dieCorps des Feldmarschalls Königsmark und des Generals Douglaszu verstärken, und einige Compagnieen vor Derpt zu schicken, welcheDolgorukow alle Mittel zur Erlangung von Lebensmitteln aus derUmgegend abschnitten. Trotzdem wollte der Zar die Belagerungnicht aufheben, obgleich L e s 1 i e und andere fremde und russischeOffiziere der russischen Truppen ihn dazu bewegen wollten, indem siedie Stärke der Festungswerke Rigas hervorhoben und auf die leichteErlangung einer Hülfe von aussen hinwiesen (da nämlich die Ein-schliessung nicht vollkommen und nicht genügend war). Aber ein baldeintretender neuer und erheblicher Misserfolg änderte die Absichten desZaren. De la Gar die führte, nachdem er die oben genannten Ver-stärkungen erhalten , einen so plötzlichen, entschiedenen und heftigenAusfall und Angriff auf die russischen Verschanzungen aus, dass er demrussischen Heere grossen Verlust zufügte und 17 Fahnen abnahm.Hiernach bestand der Zar nicht länger auf Fortsetzung der Belagerungvon Riga, hob sie vielmehr am 5. Oktober auf und trat den Rückmarschauf demselben Wege an, auf welchem er gekommen war. Dieser Rück-zug unter Verfolgung durch die Schweden kostete dem russischen Heerewieder grosse Verluste an Menschen, Geschützen und Fahrzeugen. Soendete also die Belagerung von Riga überhaupt sehr unglücklich undführte, nachdem sie dem russischen Heere in Livonien grosse Verlusteverursacht hatte, nämlich: 8000 Todte, und mit Verwundeten, Kran-ken , Verschollenen und Gefangenen im Ganzen an 14 000 Mann, ferner56 Fahnen, viele Geschütze, etwa 800 Schiffe auf der Dwina mitKriegs- und Lebensmittelvorräthen, — zur gänzlichen Auflösung des-selben.
Nach dem Rückzüge von Riga concentrirte der Zar seine Truppenzwischen Kokenhusen, Derpt, Marienburg und Dünaburg, befestigtediese Städte, versorgte sie hinlänglich mit Lebensmitteln und wollte inPolozk das Ende der Waffenstillstands-Unterhandlungen mit Polen undSchweden abwarten. Die Verhandlungen mit Letzterem hatten keinenErfolg, weil die Forderungen der Schweden zu maasslos waren; die mitPolen führten, wie oben gesagt, zur Wahl des Zaren zum König vonPolen und zum Abschluss eines Waffenstillstandes vor dem Friedeus-schluss, wobei jede Seite im Besitz der von ihr eingenommenen Städteund Gebiete bleiben sollte.
In Folge dessen kam es zu Ende des Jahres 1656 zu keinerlei wei-teren Kriegsoperationen zwischen Russland, Schweden und Polen. Livo-uien und Lithauen.