5. Russische Kriege unter dein Zaren Alexei Michailowitseh (1645—1635). 217
Alle diese gegen den Zaren, trotz des Friedens zwischen Beiden,gerichteten Schritte Karl Gustav's erbitterten den Zaren aufs Höchsteund gaben den Dingen eine ganz andere Wendung.
Ueber diesen Verhandlungen des Zaren in Wilna gingen ganze vierMonate hin, August bis November 1655, dann kehrte der Zar aus Wilnanach Moskau zurück, wohin sich dann auch die Gesandten des Kaisers,Dänemarks, Schweden's und Johann Kasimir's begaben; die Ver-handlungen mit ihnen zogen sich in Moskau noch bis Ende 1655 undAnfang 1656 hin.
Somit hatte Johann Kasimir's thörichter Anspruch auf denschwedischen Thron ihn in den Krieg mit Schweden gestürzt, zugleichmit dem Kriege gegen Russland, und zu der Eroberung Polens durchKarl Gustav geführt, und zwar zu einer Zeit, als der Zar geradeLithauen eroberte und über Kleinpolen und das Tscherwonner Russlandtriumphirte. Polen und Lithauen standen vor ihrem Ende, allein die nichtbloss gegen Polen, sondern auch gegen Lithauen gerichteten ehrgeizigenPläne Karl Gustav's hatten zu Ende des Jahres die Lage derDinge vollkommen geändert. Einerseits die Tysckofzer Conföderationzu Gunsten Johann K a s i m i r's und gegen die Schweden und Polen,andererseits die dem Zaren feindlichen Handlungen Karl Gustav'sin Lithauen, — das waren Dinge, welche mit Wahrscheinlichkeit schondie Annäherung und sogar den Frieden zwischen Eussland und Polenund einen Krieg Beider gegen ihren gemeinsamen Feind, den Schweden-könig, vorhersehen Hessen, d. h. also das Gegentheil von dem, was desJahres 1655 erste Hälfte gebracht hatte.
Hinsichtlich der hierbei vom Zaren befolgten Politik wird später beiDarstellung der Ereignisse von 1656 mehr gesagt werden. Was aberdie Kriegsoperationen auf Seiten Russlands im Jahre 1655 anbelangt, soist darüber zu bemerken, dass sie in Lithauen unter der persönlichenLeitung des Zaren bis zur Einnahme von Wilna in genügender und er-folgreicher Weise geführt wurden, von da ab jedoch bis zum Schluss desJahres durchaus nicht so. Statt sie mit der Absicht dauernder Eroberungvon ganz Lithauen im Norden und Süden bis zu den Grenzen von Polenfortzusetzen, wurden nur vereinzelte Unternehmungen mit gesondertenCorps, ohne gehörige Ordnung und Gründlichkeit, sowie ohne dauerndesFestsetzen im Lande weiter geführt, mehr in Form von Einfällen. unterVerheerung des Landes, Aussaugen der Bewohner, und daher mehr oderweniger unfruchtbar. Die Operationen aber in der Ukraine und demTscherwonner Russland wurden , wie man zugeben muss, durch das be-