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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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214 I. Kriege von 16131689.

dass er sein Bündniss mit Russland nicht löse, und versprach, wie einregierender Monarch, dem Könige die eroberten Wojewodschaften Lju-blin, Bjelsk, Volhynien und Russland zurückzugeben und für sich dasJaroslawer Gebiet zu behalten, wenn der König mit den Schweden undRussen Frieden schliessen und die Freiheit des kleinrussischen Volkesanerkennen wolle. Inzwischen stiess er auf dem Marsche von Lwow nachder Ukraine bei Esarna, 15 Kilometer von Sborow, auf den Khan unddessen Tataren, wies einen Angriff derselben ab und kam nach Tschi-girin, der Khan ging nach Halitsch, um sich mit den Polen zu vereini-gen. Als er aber erfuhr, dass der König in Schlesien weile, Hess derKhan seine Tataren auf Plünderung gehen.

Während dies sich im Tscherwonnschen Russland und in der Ukrainezutrug, zogen Potemkin und Daniel Wygowski am 5. (15.)Okto-ber nach Ljublin und forderten diese Stadt zur Uebergabe auf; sie ergabsich und schwor dem Zaren, hatte aber Brand und Plünderung zu leiden.Potemkin und Wygowski gingen hiernach wieder dahin zurück,von wo sie gekommen waren.

Karl Gustav befand sich zu dieser Zeit noch immer in Krakau.Hier erklärten ihm am 11. (21.) Oktober Deputationen der kleinpolnischenWojewodschaften und des Tscherwonner Russland's ihre bedingungsloseUnterwerfung, und auf diese Weise war nun ganz Polen (Gross- undKleinpolen) mit dem Tscherwonner Russland in seiner Gewalt. Nunaber gerieth er in Zweifel, was er damit thun solle? Es mit Schwedenzu verbinden fand er unbequem wegen der Verschiedenheit der Confes-sionen, er wollte es vielmehr seinen Verbündeten opfern und für Schwedennur die ihm nothwendige baltische Küste behalten. Indessen waren jedochdie Schweden die vollen, unbeschränkten Herren von ganz Polen und so-gar demTheile Lithauen's, welcher nicht von russischen Truppen besetztwar (s. u.), während in dem anderenTheile nebst Wilna die Russen stan-den, und Johann Kasimir in der Verbannung! . . . Polen undLithauen existirten so zu sagen nicht mehr.

Um die Darstellung der Kriegsereignisse in Polen zu Ende 1655 ab-zuschliessen, ist noch zu sagen, dass Karl Gustav sein schwedischesHeer auf dem weiten Gebiete von Polen und Lithauen in Garnisonen fürdie wichtigsten Städte und in gesonderte Corps zwischen denselben ver-zettelte, welche Requisitionen und Contributionen nicht ohne Gewaltthä-tigkeit eintrieben. Den polnischen Truppen, welche sich Karl Gustavergeben hatten, hatte er ihren aus dem polnischen Schatz ihnen noch zu-ständigen Sold zu zahlen versprochen, was er auch that. aber nicht voll-ständig, weil in dem polnischen Schatze, wie gewöhnlich, grosse Leereherrschte. Die Sholnjery begannen zu murren, Potozki aber machtesich das zu Nutze und fing, der schwedischen Aufsicht in Sandomir ent-