5. Russische Kriege unter dem Zaren Alexei Michailowitsch (1045—1685). 209
niedergebrannt oder ihre Einwohner zum Eide gezwungen, sich selbstaber in dem occupirten Lande nicht behauptet hatte.
Später, Ende Oktober und Anfang November, operirten die FürstenUrussow und Barjatinski ebenso, aber mit weniger Erfolg. Am23. Oktober aus Kowno nach Brest aufbrechend, schlugen sie die Polen150 Werst von letzterem Orte bei Bjely Peski. Am 13. November nachBrest vorgehend, stiessen sie auf den neuen, an Radziwil's Stelle ernann-ten, lithauischen Hetman Paul Sapieha. Urussow ward von ihmbesiegt, zog sich von Brest zurück und bezog hinter dem Bug ein Lager.Auch hier durch Sapieha vertrieben, nahm er 25 Werst von BrestStellung, bei Werchowitscha. Auch da wieder von Sapieha umgangen,von den Verbindungen und dem Wasser abgeschnitten, zwei Tage langdurch Sapieha eingeschlossen, welcher ihn zur Uebergabe aufforderte,ergab er sich nicht, lieferte ein Treffen, schlug Sapieha auf's Haupt,jagte ihn 6 Werst weit zurück und nahm ihm 4 Geschütze und 28 Fah-nen ab. Daraufwendete er sich mit Barjatinski nach Kowno undGrodno, unterwegs gründlich plündernd. Ganz dasselbe thaten auchdie Kasaken Solotarenko's und die Bussen in Poljässje, sodassdas ganze Land von Kowno und Grodno bis Brest und Pinsk ver-wüstet wurde. Dabei herrschten zwischen Urussow und Barja-tinski und deren Unterführern fortwährend Misshelligkeiten, die Trup-pen beschwerten sich besonders über Urussow wegen seiner Unge-rechtigkeit , Hartherzigkeit und Grausamkeit gegen sie und namentlichdeswegen, dass er, ihnen verbietend, das Land zu verheeren und dieBewohner auszuplündern, sich selber die grössten Gewalttätigkeitengegen die Einwohner sowohl, wie gegen seine eigenen Truppen er-laubte*). Ausserdem fingen die Sachen vor Brest zu derselben Zeit an,als in Wilna schon lebhafte Friedensunterhandlungen mit dem lithaui-schen Feldhetman Gonsjewski geführt wurden. Aber bevor wir er-klären, weswegen diese Unterhandlungen begonnen hatten, müssen wirdie Kriegsercignisse in Polen und Lithauen erwähnen.
Im §. 29 wurde bereits gesagt, dass am 26. Dezember 1654 derKrym-Khan Mengli-Ghire'i 30—40000 Tataren nach Podolien geführt undsich bei dem Flecken Odowka mit dem Kronshetman Potozki vereinigthatte. Am 10. Januar 1655 zogen sie nach Unian und belagerten darinden Kasakenobersten Bogun mit 6000 Kasaken, wobei die Tataren sichin die Umgegend zerstreuten, um zu plündern. Die Polen Potozki's
*) Das derartige Verhalten Urussow's dient auch zur Charakteristik meh-rerer anderer russischer Wojewoden, ihrer Willkür und Eigenmächtigkeit, Grau-samkeit und sonstigen verbrecherischen Treibens. Urussow zeichnete sich darin,besonders aus, war aber keineswegs der Einzige dieser Art.
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I. Supplem. ]4