5. Bussische Kriege unter dem Zaren Alexei Michailowitsch (1645—1685). 207
brach der Zar aus Smolensk zur Campagne auf, und erklärte den Trup-pen persönlich, dass er sogar auch im Winter Krieg führen werde, solange bis Gott das begonnene Unternehmen habe vollbringen lassen ; erbefahl ihnen strengstens an, »Dörfer nicht anzuzünden, aus dem Dienstenicht zu entfliehen, sich nicht krank zu stellen, nicht zu murren, u. s. w.,wer sich in dieser Weise vergehe, verfalle der Todesstrafe, wer abergut diene, solle grosse Gnaden erfahren«. Ausserdem hatte schon einenMonat vor dem Aufbruch aus Smolensk der Zar ebenso strenge Maass-regeln gegen die Desertion von Festungsdienstthuenden aus der Reiheder dienstpflichtigen Lehns- und Erbgutsbesitzer verfügt. Alle dieseMaassnahmen des Zaren, welche ihm zum Lobe gereichen, weisen aufsolche Mängel hin, welche dem russischen Kriegslebnsheere selbstunter einem Herrscher wie Alexei Michailowitsch anhafteten,der doch, wie überall, auch im Heere vor Allem Unordnungen und Miss-bräuche abzustellen, Gesetzmässigkeit und Ordnung aber zu befestigenbemüht war.
Inzwischen hatten Radziwil und Gonsjewski gegen den in derBurg von Mogilew eingeschlossenen Wojeikow am 9. April, nochbevor Dmitrijew und Solotarenko herankamen, einen Sturm aus-geführt, da er erfolglos war, die Belagerung aufgehoben, und waren zuroberen Beresina in der Richtung auf Wilna abgezogen.
Als danach Dmitrijew und Solotarenko in Mogilew eintrafen,wendete sich der Letztere nach Stary-Bychow, der Erstere schickte sei-nen Sohn den Hetmans nach, und dieser holte sie ein und schlug sie(vielleicht auch nur ihre Arrieregarde) bei Tolotschin (westlich vonOrscha).
Am 24. Mai begab sich der Zar von Smolensk nach Schklow. Hiertraf Anfang Juni Solotarenko bei ihm ein und wurde von ihm überdie Beresina in der Richtung auf Wilna gesendet. Der von Solo-tarenko detachirte Oberst Popowitsch nahm Swislotsch und Schlossmit stürmender Hand, brannte die Stadt nieder und Hess die Einwohnerüber die Klinge springen. Dasselbe Schicksal traf Kaidanow.Matthäus Scheremetjew nahm Welisch, der Fürst ChworostininMinsk. Das waren schon offensive Operationen des russischen Heeresaus Weissrussland nach Lithauen gegen Wilna hin. Eine halbe Meilevon dieser Stadt standen die hierher zurückgegangenen HetmansRadziwil und Gonsjewski in einem Lager, aber nur mit einanderund mit den Heeren der Schljachta sich herumstreitend, ohne irgendEtwas gegen die herankommenden russischen Truppen zu unternehmen.Tscherkasski griff, nach Vereinigung mit Solotarenko, das La-ger der Hetmans an, focht von Mittag bis zur Nacht mit ihnen und