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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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206 I- Kriege von 16131G89.

kaum schon mit dem einen Reiche, Russland, kämpfen, geschweige dennmit zweien, Russland und Schweden. Seine Finanzen waren vollkommenzerrüttet, im Schatze kein Geld, und ohne Geld Messen sich weder ge-nügend viel Truppen anwerben, noch auch die stets zügellosen und auf-rührerischen Soldaten in Ordnung und Gehorsam erhalten. Rechnet mannoch hinzu, dass in diesem selben Jahre Kleinrussland mit seinem17 Regimenter starken Heere sich dem Zaren von Russland unterwarf,so begreift man leicht, dass Polen und Lithauen den vereinigten Kräftenvon Russland und Kleinrussland gegenüber vollständig machtlos waren, und dass nur der eine lithauische Hetman Radziwil mit den ver-hältnissmässig schwächsten Kräften von Lithauen sich bemühte, denüberlegenen Mächten Russlands und Kleinrusslands einigen Widerstandentgegenzustellen, welche in den Grenzgebieten von Lithauen vieleAnhänger fanden,während allerdings viele Andere sich heimlich oderoffen für den polnischen König erklärten. Dies Alles mag zum Theil dieersten, raschen, leichten und bedeutenden Erfolge der russischen Waffenin Weissrussland und die für sie ungünstige Wendung zu Ende desJahres 1654 und Anfang 1655 erklären. Allein zu gleicher Zeit führendiese selben Umstände doch auch notwendiger Weise zu der Frage,wie es kam, dass Russland mit den von ihm aufgestellten gewaltigenrussischen und kleinrussischen Streitkräften nicht schon im Jahre 1654ganz Lithauen erobert und Polen selbst bedroht hatte. Diese Fragelöst sich nun dadurch, dass das russische Heer zwar zahlreich, vongutem Geiste beseelt und vom Zaren Alexei Michailowitsch selbstverständig geführt war, aber wie schon oft bemerkt wurde in sichselbst viele Ursachen seiner Mangelhaftigkeit trug, von welchen diewichtigsten die Kriegslehnseinrichtung desselben und die Mjestni-tschestwo seiner Wojewoden war, ungeachtet aller weisen Maassregelndes Zaren, durch welche derselbe diesen und andern Schäden im Heerenach Möglichkeit steuern wollte. Die Kriegsbegebenheiten von 1655geben einen neuen Beweis dafür, wie zu Gunsten, so auch zu Ungunstendes russischen Heeres.

Am 31. März nach Smolensk zurückkehrend, befahl der Zar denWojewoden Dmitrijew und Solotarenko, dem inMogilew befindlichenWoj eiko zu Hülfe zu gehen, und traf strenge Maassregeln, dass sichim nächsten Feldzuge die Unordnungen des vorigen nicht wiederholenkonnten, als die Ratnye Ljudi in dem Smolensker, Mogilewer und vielenandern Bezirken Weissrusslands durch vielfache Ausschreitungen dieEinwohner der unterworfenen Orte wider sich aufgebracht und derenAbfall von Russland dadurch herbeigeführt hatten. Schuldige dieserArt befahl der Zar in Zukunft hinzurichten , ihre Herren aber , die Guts-besitzer , sollten körperlich gezüchtigt werden (öffentlich). Am 24. Mai