5. Russische Kriege unter dem Zaren Alexei Michailowitsch (1645—1685). 205
Karl X Gustav (welcher sich entschlossen hatte, an Polen Krieg zuerklären [s. u.]) ein Gesandter gekommen sei, um sich zu überzeugen,oh der Zar mit dem Könige in Freundschaft sei oder nicht? — in derThat aber, wie der Zar annahm, weil der König ihn fürchte und es demKönige besonders unangenehm sei, dass der Zar Witebsk und Polozk inBesitz genommen habe, was die Verbindung von ihnen mit Riga auf derDwina abschnitt; endlich, dass der König den Wunsch geäussert habe,einen dauernden Frieden mit dem Zaren zu stiften, auch dass derLetztere nicht mit einem andern Könige Krieg führen möge, dem Herzogvon Kurland, — dessen er sich aber geweigert habe, weil der Schweden-könig versprochen hätte, nicht dem König von Polen zu helfen, derHerzog von Kurland aber ein Vasall dieses Letzteren sei.
Endlich, am 10. Februar, ging der Zar von Wjasma nach Moskau,und Anfang März schickte er den Bojaren Wassili' iWassiljewitschButurlin zu Chmjelnizki nach der Ukraine mit dem Befehle, sichmit dem Hetman und allen Truppen nach Lithauen und Polen zu be-geben; den in Bjelo-Zerkow commandirenden Bojaren WassiljiBorissowitsch Scheremetjew aberberief er zu sich. Am 11.Märzging er selbst nach Smolensk, um den Feldzug in Lithauen. zu eröffnen.Bevor wir jedoch an die Darstellung dieses Feldzuges treten, müssenwir noch in Kürze erzählen, was während dieser Zeit in Polen undLithauen geschehen war und auf den Krieg beider mit Russland Bezughatte.
Oben (IL Kapitel, §. 9) wurde schon der Zustand Polens undLithauens und ihrer Truppen unter Johann Kasimir geschildert.Im Jahre 1652, zwei Jahre vor dem Kriege mit Kussland, da die pol-nische Anarchie aufs Höchste gestiegen war, hatten zwei Umständediesen unruhigen Zustand noch vermehrt: der erste war der, dass daseine Wort »ich erlaube es nicht« des unirten Abgesandten Sizinski denReichstag »sprengte« und zu dem berühmten Gesetze des »liberum veto«führte, welches als »unicum et specialissimum jus cardinale« gepriesenwurde. Der zweite war dies, dass der Unterkanzler Radsjäjewski,sich persönlich durch den König beleidigt meinend, zugleich auch ver-brecherischer Verbindungen mit den Kasaken überführt und dafür zumTode verurtheilt, nach Wien und von dort nach Stockholm entfloh , umfür seine Rache Genugthuung zu suchen. Seine Einwirkung und mehrnoch die unkluge, 1654, zur Zeit des Krieges mit Russland, veröffent-lichte Erklärung Johann Kasimir's, dass er auf den schwedischenThron Anspruch erhebe, nachdem die Königin Christine (6. Junin. St. 1654) demselben entsagt hatte, bewogen deren Nachfolger KarlX Gustav, einen Krieg mit Polen zu beginnen. Polen aber konnte inder schrecklichen Lage, in welcher es sich 1654 befand, entschieden