Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
Entstehung
Seite
204
Einzelbild herunterladen
 

204 I. Kriege von 16131689.

§.30.Krieg im Jahre 1655.

Im Anfang des Jahres 1 655 begannen die Angelegenheiten in Weiss-russland sich für die Russen noch nachtheiliger zu gestalten, als zu Endedes Jahres 1654. In Orscha, Oserischtsche und andern Städten, sogarin Smolensk zeigte sich Hinneigung zu Abfall vom Zaren und zu Unter-würfigkeit unter den König. Zwar schlug um diese Zeit MatthäusScheremetjew den Fürsten Lukomski, welcher die Verbindungenvon Witebsk abzuschneiden beabsichtigte, aber dafür belagertenKadziwil und Gonsjewski mit 12000 Mann am 7. Januar den mit6 000 Kasaken in Nowy-Bychow eingeschlossenen Solotarenko.Dieser machte einen kühnen und glücklichen Ausfall, schlug denFürsten Neswishski, nahm dessen ganzen Train und kehrte ungehin-dert nach Nowy-Bychow zurück. Nachdem die Hetmans zwei Wochenvergeblich vor diesem Orte gelegen, wollten sie hier ihre Zeit nichtlänger verlieren, da sich ihnen vermittelst der Beziehungen, welche Pri-klonski in ihr hatte, Aussicht bot, eine noch wichtigere Stadt, Mogi-lew, wegzunehmen. Dieser Letztere, den Zaren verrathend, Hess sieam 5. Februar in die grosse Stadt, Wojeikow aber warf sich in diekleine (Citadelle), wurde darin belagert und schlug zwar drei Sturm-angriffe zurück, bat aber um Hülfe, indem er sich beschwerte, dassSolotarenko in Stary-Bychow ihm nicht helfen wolle und die Ein-wohner mit Priklonski's Kasaken in Gemeinschaft ausplündere.Der Letztere und viele Andere in Weissrussland und der Ukrainewiegelten das Volk gegen die Oberherrschaft des Zaren mächtig auf,und so bildeten sich in diesen beiden Ländern zwei Parteien, die einefür, die andere gegen die russische Herrschaft.

Der Zar, welcher noch in Wjasma verweilte, das gänzliche Er-löschen der Seuche in Moskau und Umgebung erwartend, befahl imJanuar dem Fürsten Jurji Dolgoruki, ohne Säumen mit dem FürstenAlexei Trubezkoi an die Westgrenzen zu rücken, um dem Feindenicht das Eindringen in russische Städte zu gestatten, sondern im Gegen-thcil ihm in seinem eignen Lande entgegenzutreten und »das Feuer zulöschen, wo es noch nicht auflodere, wenn es aber entbrannt sei, dannnie zu löschen«, Worte, welche in kriegerischer Beziehung vollkom-men richtig sind. Dem Bojaren Puschkin in Smolensk ging der Be-fehl zu, die Verräther aus der Schljachta und die Abtrünnigen zu ver-haften und nach Moskau zu schicken, die Anführer aber zu bestrafen.In einem Schreiben vom 23. Januar an seinen geliebten ArtamonMatthjejew in Moskau sagte er, dass von dem neuen Schwedenkönig