5. Bussisclie Kriege unter dem Zaren Alexei Michailowitsch (1645—1685). 203
die Operationen in Weissrussland und der Ukraine nur noch aus der Ferneleiten, es brachen in Weissrussland in Verbindung mit dem gleichzeitigenVorgehen der lithauischen Hetmans bei dem russischen Heere und demSaporoger- oder kleinrussischen Hülfsheere grosse Unordnungen aus,welche die übelsten Folgen hatten. Sie erzeugten Unzufriedenheit undan einzelnen Orten Verräthereien in dem eben erst unterworfenen Weiss-russland und brachten eine, für die Lithauer günstige, für die Russenungünstige Wendung der Dinge daselbst hervor, so dass der LetzterenLage zu Ende der Jahres keineswegs dem glücklichen Anfange vor demOktober entsprach. Besonders fällt hierbei auch die grosse Verschieden-heit in dem Verhalten der russischen Führer und Truppen gegen dasfeindliche Land und dessen Bewohner auf, das klug, milde und menschen-freundlich erschien, dem Willen des Zaren gemäss (bis zu seinem Ab-gang nach Wjasma), — und das unverständig und grausam wurde,gegen seinen Willen (sobald er fort war), — wobei als Hauptanstifteraller Unordnung die Kasaken auftraten, allerdings aber auch einigerussische Wojewoden und Truppen betheiligt sind, und zwar je weiterentfernt, um so mehr (wie man später sehen wird).
Wo aber die Hoffnungen des Zaren ganz- und grausam enttäuschtwurden, zum grössten Nachtheil für die Erfolge seiner Kriegspläne, daswar in derselben Ukraine und von Seiten desselben Chmj elnizki,welche nur eben erst aus freien Stücken sich dem Zaren unterworfenhatten. Ohne hier in eine Untersuchung der Ursachen dieser son-derbaren Erscheinung einzugehen, wollen wir nur bemerken, dassdieses Verhalten Chmjelnizki's hauptsächlich Schuld war an demMisslingen der Absichten des Zaren, wie der unabwendbaren furchtbarenVerwüstung der Ukraine durch die Polen, am Ende des Jahres. Dies imVerein mit dem gleichzeitigen Vorgehen und Erfolge der Lithauer inWeissrussland neigte den Kriegserfolg von der stärkeren auf die schwä-chere Seite, ganz entgegen aller gewöhnlichen Berechnung. Und sokann man nur im Allgemeinen sagen , dass der Feldzug von 1654 , mitAusnahme der Eroberung von Smolensk, nach glücklichem Beginne inWeissrussland, hier wie in der Ukraine für den Zaren unglücklichendete, und dass die Fortsetzung in einem folgenden Feldznge unterweit'ungünstigeren Verhältnissen stattfinden würde, als die beim Beginnder Campagne von 1654 waren, da Polen und Lithauen sich in einemZustande äusserster Verwirrung, Unordnung, Ohnmacht und Schutzlosig-keit befand.