5. Kussische Kriege unter dem Zaren Alexei Micliailowitsch (1645—1685). 201
brauche, da Wassilji Sclieremetj ew in Bjelgorod gegen ihn deckeund ausserdem den Donkasaken befohlen sei, die Feindseligkeiten gegendie Krymtataren zu beginnen. Nun erst brach Chmjelnizki endlicham 26. August von Chwastow nach Berditschew auf, aber sehr langsamund unter öfterem Halten; zugleich machte er Andreas Buturlin,welcher Befehl hatte, mit ihm zusammen zu handeln, den Vorschlag, imGegentheil hinter ihm herzumarschiren, ohne Eile und dabei auf »schwar-zen Pfaden« d. h. durch leere unbewohnte Orte, die Dörfer vermeidend.Vor Berditschew anlangend, nahm Chmjelnizki daselbst am ü. Aufstel-lung in einem von Buturlin gesonderten Tabor. Buturlin wollteihn bewegen, rascher und durch die bewohnten Orte nach Luzk zu gehn,dort mit Alexei Trüb ezkoi zusammenzustossen und mit diesem gemein-sam gegen die Polen zu operiren, er aber rieth davon ab, weil man dortden König mit beiden Hetmans und bedeutenden (?) Kräften linden würde,und der von ihm erkaufte Khan sich anschicke, in die Ukraine einzufal-len. Dieses Zögern, Abwarten und Unthätigsein Chmjelnizki's kammöglicher Weise von der Furcht vor einem Einfalle der Polen und na-mentlich der Tataren in die Ukraine und der Verwüstung dieser durchJene her, und darin hatte er nicht Unrecht, obgleich es andrerseits sehrseltsam und unbegreiflich scheint, dass mit 100 000 Kasaken und denrussischen Corps von Buturlin bei sich, und von Trubetzkoi beiLuzk, er keine Maassregeln zur Abwehr der Polen und Tataren traf. DieFolgen waren denn auch sehr traurige: bei Buturlin brach Mangelan Lebensmitteln für Menschen und Pferde aus; viele Dragoner liefendavon; Buturlin selbst erkrankte , einen Towarischtschen (Gefährt)hatte er nicht, und Chmjelnizki endete damit, dass er nach Tscbi-girin abzog, das Corps Buturlin's in Bjeloe Zerkow zurücklassend,wohin dieser sich zurückgezogen hatte. Aber schon zog sich über derUkraine ein furchtbares Gewitter zusammen : die Tataren rückten gegensie an, Potozki und Lanzkoronski, welche bei Mendshibosha in Po-dolien über 30 000 Mann (20 000Keiter, 8000 Mann Fussvolk, 1200 bran-denburgische Söldner - Dragoner und die Hofdruschinen der vornehmenAdligen der Provinz) zusammengebracht hatten, zogen am 18. Oktobernach Bar, Czarnezki vorausschickend, nahmen und zerstörten vonGrund aus die Orte Krassnoje, Murafa, Tschernewzy, Nemirow, Kalnik,und der bestialisch grausame Czarnezki hieb die 1 (51)00 Einwoh-ner von Buscha nieder und legte die Stadt in Asche. Von hier gingPotozki nach Brazlaw, in der Hoffnung, sich des KasakenoberstenBogun bemächtigen zu können, der aber schon nach Uman entkommenwar, wo er sich mit 10 000 Kasaken einschloss. In dem Flecken Tro-stanjez machte Potozki Halt, um die Tataren zu erwarten, und forderteindessen durch Universale das Volk auf, sich dem Könige zu unterwerfen;