5. Bussische Kriege unter dem Zaren Alexei Michailowitsoh (1G45—1GS5). 199
und Fahnen und legten, wie es im Jahre 1634 die Russen vor Wladis-law hatten thun müssen, ihre Fahnen vor dem Zaren auf dieErde. Dannzog der Zar in Smolensk ein, und bewirthete darin die Bojaren, Woje-woden, Solotarenko (welcher vor dem Sturme vor Smolensk eingetrof-fen war) und die Smolensker Schljachta.
Im September, später auch im Oktober und November fuhren dieStädte Weissrussland's fort, sich den russischen Truppen zu ergeben, undbis zum Dezember war ganz Weissrussland (3 Wojewodschaften: vonPolozk, Witebsk und Mstislawl) bereits in der Gewalt des Zaren. Die-ser aber, welcher die Kriegsoperationen persönlich leitete, würde die-selben unzweifelhaft weiter gegen Lithauen fortgesetzt haben, wenn erdaran nicht durch eine furchtbare verheerende Seuche verhindert wor-den wäre, welche schon seit Juli in Moskau und den Provinzen und Städ-ten der Nachbarschaft wüthete und sogar das Heer in Smolensk undWeissrussland bedrohte. Von der Notwendigkeit persönlich sich Mos-kau zu nähern überzeugt, um diese Stadt und das Heer vor der Verbrei-tung der Seuche zu schützen, brach er am 5. Oktober mit dem Hofe unddem Leibregiment nachWjasma auf, traf am 20. daselbst ein und machtehier Halt, um Schutzmaassregeln gegen die pestartige Seuche zu treffen.
Zu diesem Zwecke waren schon im Juli auf der Smolensker und denandern Strassen aus Moskau Absperrungen eingerichtet, durch welche vonund nach Moskau Niemand passiren durfte. Vom 10. Oktober an liessdie Pest in Moskau allmälig nach, am 31. Oktober erlosch sie gänzlich,nachdem sie in 4 Monaten aus Moskau und den umliegenden Städten an100000 Opfer gefordert hatte.
Dieser unglückselige Umstand unterbrach sehr zu unrechter Zeitund zum Nachtheil den bis dahin so erfolgreichen Fortgang der Kriegs-operationen an den westlichen Grenzen und deren Fortführung weitergegen Lithauen. Die Wegnahme von Witebsk mit stürmender Handdurch Wassilji Scheremetjew am 22. November 1654 war dieletzte Freudenbotschaft in diesem Jahre, ihr folgten lauter unangenehme.Die erste war die von dem Zerwürfniss zwischen Solotarenko undPriklonski nebst Wojeikow in Mogilew, darüber entstanden, dassSolotarenko's Kasaken, welche im Mogilewer Bezirke Lebensmittelrequirirten, dabei Gewaltthätigkeiten und Plünderungen vornahmen.Der Zar schickte sogleich nach Mogilews Bezirk den Alexei Trubez-k o i mit einem Truppencorps, aber auch bei diesem entstanden Reibun-gen mit den Kasaken. Dann begannen die Einwohner Mogilew's sichzu beschweren , dass ihnen für den Winter keine Soldaten geschicktwürden, dass sie nur wenige Geschütze und gar kein Pulver hätten, unddass sie Angriffe derLithauer fürchteten. Der Zar schickte ihnen aus Du-browna den Wojewoden Alferjew mit Truppen, und aus Smolensk