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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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198 I. Kriege von 16131689.

die lithauisch-russischen Bewohner, sowohl das gemeine Volk, als auchdie Schljachta und sogar fremde Söldner, gern dem russischen Zaren denEid schwuren und die Städte sich freiwillig und ohne Kampf ergaben.Dieses Verhalten der russischen Wojewoden und Truppen (auf welchesman mit einer grossen Genugthuuug aufmerksam machen darf) befremdeteund erschreckte sogar die Polen, welche eine Wiederholung der Gräuelaus den Kasakenkriegen gefürchtet hatten. Unter Anderm erschien am22. Juni bei dem Zaren vor Smolensk der Mogilewer Schljachtitsch Pri -klonski mit dem Versprechen, die mächtige Stadt Mogilew zur Ueber-gabe zu bewegen, und begann, zum Oberst ernannt, unter seinen Lands-leuten einKegiment für den zarischen Sold zu werben. Nächstdem erfuhrder Zar die Uebergabe vonDisna undDrua und die Einnahme von Orscha.Während des August wurden noch die Städte Gluboka und Oserischtschedurch Wassilji Scheremetj ew eingenommen,Goniel, Tschetschersk,Nowy Bychow und Propoisk ergaben sich an Iwan Solotarenko,Mogilew an Pri klonski und Wojeikow. Den Einwohnern vonMogilew erwies der Zar besondere Gnade und verlieh ihnen und andernStädten viele Freiheiten.

Während dessen dauerte die Belagerung des fest eingeschlossenenSmolensk schon zwei Monate, der lithauische Wojewode Obucho-witsch aber hielt sich tapfer in derselben und wollte von CapitulationNichts wissen. Endlich, am IG. August, führten die Belagerer einen all-gemeinen Sturm aus, erkletterten Mauer und Thurm und kämpften mitverzweifelter Tapferkeit, die Belagerten aber sprengten den Thurm in dieLuft, wobei viele russische Soldaten verschüttet oder verbrannt wurdenund die Bussen überhaupt 300 Todte und an 1000 Verwundete verloren(nach polnischen Berichten 7000 Todte und 15 000Blessirte), während dieBelagerten über 200 Mann einbüssten. Der Sturm misslang, jedoch hat-ten auch die Belagerten in 1 J / 2 monatlicher Belagerung solche Verlustean Gefallenen, Verwundeten und Kranken, dass nach dem Sturm ihnenzur Vertheidigung der ausgedehnten Mauern und 34 Thürme kaum noch2000 Mann übrig blieben; ausserdem ging ihnen das Pulver aus,Mauernund Thürme waren sehr beschädigt, die Schljachta wollte nicht bei derAusbesserung helfen und lief massenweise zum Angreifer über. Dessenungeachtet hielt sich Obuchowitsch noch 3 Wochen, dann aber, vonder Unmöglichkeit längerer Gegenwehr durchdrungen, entschlossen er undder Oberst Korff sich, in Capitulationsunterhandlungen einzutreten. Am10. Septemberverhandelten sie darüber mit den russichen Bevollmächtigtenund erhielten die Erlaubniss, Lithauen zu verlassen oder dem Zaren zuschwören. Die Einwohner von Smolensk öffneten die Thore, kamen heraus,dem Zaren ihre Unterwürfigkeit zu bezeugen, und am 23. September zo-gen die lithauischen Wojewoden und Truppen aus der Stadt mit Waffen