5. Eussische Kriege unter dem Zaren Alexei Michailowitsch (1645—1685). ]Q7
zu Felde. Aber in seiner Umgebung befanden sich Leute, welchen seinVorhaben nicht gefiel, denen der Feldzug zur lithauischen Grenze schreck-lich schien, weil schon seit langer Zeit ähnliche Expeditionen nicht vor-gekommen waren. Dies bekümmerte den Zaren, konnte ihn aber inseinem festen Entschlüsse nicht wankend machen. Allmälig aber hörtenauch diese Verdriesslichkeiten auf, weil freudige Nachrichten eine nach derandern eingingen. Die erste traf am 4. Juni ein, dass, als ein nichtbedeutendes Corps Wjasemsker Ochotschich's am 3. Juni vor Doro-gobusch erschienen sei, die Avantgarde Radziwil's nach kurzem Ge-fecht mit demselben auf dem Wege nach Smolensk die Flucht er-griffen, Dorogobusch aber sich ergeben habe. Dann gingen Meldungenein von der Uebergabe Neweli's und Bjela's und von einem glücklichenGefecht des Avantgardenregiments am Kolodna-Flusse bei Smolensk mitdem Avantgardencorps Radziwil's. Am 28. Juni traf der Zar selbstin der Gegend von Bogdanowa ein, wo er die Nachricht von der Ueber-gabe von Polozk und Rosslawl erhielt. Am 2. Juli bezog er ein LageraufdemDjäwitschen Berge zwei Werst") von Smolensk. Diese Stadt warschon seit dem 26. Juni eingeschlossen und wurde nun bald belagert. Am20. Juli erhielt man die Meldung dass Mstislawl an Trubezkoi überge-ben, zwei Wochen später eine zweite Meldung, dass Tscher kasski aufdem Marsche nah Orscha am 3. August Nachts durch Gonsjewskiüberfallen und geschlagen sei. Trubezkoi machte jedoch diesen Un-fall durch einen Sieg wieder gut: aus Mstislawl dem Tscher kasskizu Hülfe eilend, verfolgte er R a d z i w i 1 und Gonsjewski, welche sichvereinigt und jenseits des FlussesDrutsch nach Bjelynitsch zurückgezogenhatten , holte sie bei Sepelinz an der Schklowka ein, 15 Werst von Bo-rissow, und schlug sie am 12. August aufs Haupt. 12 Obersten, derHetmansstab , Fahnen, Geschütze und Fahrzeuge fielen den Siegernin die Hände, Radziwil selbst rettete sich, verwundet, mit nur wenigenLeuten nach Minsk.
So war die Eröffnung des Feldzuges eine glänzende und ununter-brochene Reihe von Erfolgen der russischen Truppen in Kleinrusslandgewesen, wie durch Gewalt der Waffen im Felde gegen den Feind, soauch in Folge des menschenfreundlichen Verhaltens der russischen Wo-jewoden und Truppen gegen die Landeseinwohner. Den milden Befeh-len des wohlwollenden Zaren folgend, führten sie nicht, wie es früher zugeschehen pflegte, Krieg, indem Alles nach tatarischer Sitte mit Feuerund Schwert vernichtet wurde, sondern sie versprachen und übten wirk-lich Milde gegen die Einwohner und schonten sie auf alle Weise, sodass
*) 1 Werst circa = 1 Kilometer. Anm. d. Uob.