Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

4. Kriege der kleinrussischen und SaporogerKasaken. 189

fung brach aber hier Hungersnoth und Murren bei den »Sholnjery« aus,sodass Potozki aus Furcht vor einer Truppenconföderation im Decem-ber sich genöthigt sah, das Heer in »hiberny« (Winterquartiere) zu ent-lassen. Der König selbst war im Herbst nach Lithauen gegangen , woer hoffte, die Sachen würden sich besser als in Polen arrangiren, inGrodno wurde für das folgende Jahr der Feldzug unter des Königs per-sönlicher Führung beschlossen.

Chmj elnizki , welcher den Bruch mit Polen voraussah, schickteeinige Regimenter für den Winter in die Grenzstädte der Ukraine, ent-sendete Gesandte nach der Türkei, Krym, Moldau und Walachei, umfür das Frühjahr Hülfstruppen zu erbitten, setzte aber doch seine Haupt-hoffnung auf Russland und schickte daher im Februar den HeeresrichterBogdanowitsch nach Moskau mit der Bitte an den Zaren, dass erKleinrussland unter seine Hand nehme.

§ 28.Krieg im Jahre 1653.

Im Januar (nach Schuiskoi) oder richtiger am 14. (24.) März1653 (nach Kochowski) wurde auf dem Reichstage zu Brest der Be-schluss gefasst, das »Lanowoje«-Heer einzuberufen und den Quartianenihren Sold zu bezahlen. Während dessen hatte Potozki schon imJanuar 1653 den Kronsobosny (Trossführer) Czarnezki mit 12 000Reitern ausKowjel abgeschickt, um die Ukraine von den Kasakenabthei-lungen zu säubern. Czarnezki, Feind der Kasaken, rachsüchtigund grausam wie Jeremias Wischnjewezki, machte einenäusserst barbarischen Einfall in den Brazlawer Kreis, Alles mitFeuer und Schwert ohne Gnade und Barmherzigkeit verheerend.Chmj elnizki schickte ihm den Winnizker Obersten Bogun mitnur 4000 Kasaken entgegen, in der Annahme, dass dieser es nur mitschwachen Kräften zu thun haben werde. Bogun aber, welcher sichder überlegenen Macht Czarnezki's gegenübersah, schloss sich imMärz in dem festen Schloss Monastyrischtsche nördlich von Uman ein.Czarnezki lief mehrmals Sturm dagegen, hatte beim letzten Malesich sogar schon des Walles bemächtigt, wurde aber verwundet, seineTruppen zitterten vor Kälte, und als hinter ihnen das Geschrei entstand:»die Horde kommt!«, wandten sich Alle zur Flucht, Hessen ihre Wagenmit den Kranken und der gemachten Beute im Stich und hatten bei denAngriffen und auf der Flucht an 5000 Mann verloren. Die übrigen7000 Mann zogen sich aber nicht nach Kowjel, sondern auf Glinjani