Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
Entstehung
Seite
185
Einzelbild herunterladen
 

4. Kriege der kleinnissisclien und Saporoger Kasaken. 185

den Seiten und von hinten her und sendete zugleich den Obersten IwanSolotarenko mit 5000 Kasaken zu Lande, und den Oberst Gor-kuscha mit 3 000 Mann auf Schiffen auf dem Dnjepr nach Kiew.Aber sie hatten keinen Erfolg: K a 1 i n o w s k i wehrte Solotarenkoab, und Gorkuscha konnte Nichts thun und verlor nur neun unter-gegangene Schiffe.

Auf die Kunde von Tschetwertinski's Niederlage wollte Rad -ziwil nach Lithauen gehen, Chmjelnizki aber umging ihn mit sei-ner Cavallerie und warf sich plötzlich bei Maslow Prudischtsche aus einemHinterhalt ihm in die linke Flanke, zersprengte sie und nahmalle die zu-sammengeraubte Beute weg. Bei der Rückkehr von Maslow Priduschtschestiess erVor Bjeloe Zerkow auf polnische Corps, welche sich zu PotozkisHeere begaben, und schlug auch diese. So erzählen die kleinrussischenQuellen ; die polnischen Historiker schweigen, ihrer Gewohnheit gemäss,über das Alles. Aber darin sind beide einig, dass Potozki und Rad-ziwil sich am 3. September neuen Styls bei Hermanowka südöstlichvonWassilkow vereinigten, und dass Potozki's Heer dadurch auf 9000Mann anwuchs. Chmjelnizki's Armee war durch die häufigen Ope-rationen gegen Potozki und Radziwil geschwächt, er sah ein, dasses ihm schwer sein würde, mit den vereinten Kräften Beider den Kampfaufzunehmen, und beantragte daher zuerst die Anknüpfung von Friedens-verhandlungen, anfänglich auf die Bedingungen des Sborower Vertrages dann auf die Gnade des Königs. Potozki sowohl wie Radziwilwaren ihrerseits auch zum Frieden geneigt, im Schlosse Bjeloe Zerkowtrat eine Conferenz von Bevollmächtigten zusammen. Das erregte denUnwillen der Kasaken gegen Chmjelnizki und einen grossen Auf-stand in Bjeloe Zerkow. Trotzdem verständigten sich beide Seiten, unddas polnische Heer zog mit klingendem Spiele in Schlachtordnung vonHermanowka nachBjeloeZerkow. Plötzlich erschienen, gegen Chmjel-nizki's Willen, 12 Kasaken als Deputation vor Potozki mit derForderung einer Bestätigung des Sborower Vertrages. Zur Antwortstellte das polnische Heer sich zum Kampfe auf: Radziwil auf demrechten Flügel, Kalinowski auf dem linken, Potozki und die Ar-tillerie im Centrum, und der Kampf begann auf beiden Seiten (20. Sep-tember). Die Polen sagen, Radziwil halte die Kasaken und die bei ihnenbefindlichen Tataren in ihr Lager getrieben, nach den andern Anga-ben hätten sich das Treffen und Scharmütziren drei Tage lang forgesetztund die Kasaken unablässig die Flanken der Polen beunruhigt. Endlichtraf eine neue Deputation bei Potozki ein, welche Chmjelnizkiselbst mit seinen Bedingungen abgesendet hatte. Potozki entbotChmjelnizki nebst dessen Obersten zu sich, und nachdem dieser alsGeiseln den Sohn Potozki's und Sobieski's gefordert hatte, erschien