Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
Entstehung
Seite
174
Einzelbild herunterladen
 

174 I. Kriege von 16131689.

und Ssoshja festzusetzen. Demnächst drang ein neues und starkesKasakenheer unter Führung Kritschewski's, eines geborenen polni-schen Schljachtitschen, in Lithauen ein. Aber Radziwil schlug diesenwie Podobailo bei Rjätschiza und Cholmitsch. In Folge dessen gingen60 000 Kasaken bei Babitscha durch den Pripjet und fielen in Lithauenein, aber der Vertrag von Sborow machte dem Kriege in Lithauen einEnde; und die Kasaken kehrten nach Kleinrussland zurück.

§.25.Ereignisse im Jahre 1650.

Der Vertrag von Sborow war von beiden Theilen nicht aufrichtigund dauerhaft und erregte bei Beiden Unzufriedenheit, beim polnischenReichstag und Adel gegen den König, bei den Kasaken gegenChmjelnizki, weil er sie aufs Neue dem polnischen Joche über-liefert hatte. Um die Unruhen zwischen einander zu beschwichtigen,Hess Chmjelnizki den Bewohnern der Ukraine freie Wahl, ob siesich an den früheren Orten ansiedeln, oder in das »freiwillige Heer« derwohlgesinnten, gutwilligen Kasaken eintreten wollten. Er theilte Klein-russland in 15 Regimenter, in welchen es an einregistrirten Kasakennach den Einen 37 549, nach den Andern 35 935 , und sogar 57 889Mann gab, das »freiwillige oder Ochotschekomonnyheer« war, nach denChronisten »ohne Zahl«. In dem Wunsche, seine Macht zu vergrössern,beabsichtigte er, mit dem Moldauer Hospodar Wassilji Lupul inverwandtschaftliche Beziehungen zu treten, und liess durch Vermittlungdes Sultans um die Hand von dessen Tochter für seinen Sohn Timotheusanhalten. Lupul schlug dies ab, die Folge war die Verwüstung derMoldau durch 16 000 Kasaken und 20 000 Krymtataren, die Fortnahmevon 20 000 Dukaten Kriegscontribution aus der Moldau und die FluchtLupul's.

Inzwischen hatte der Ungehorsam der Bauern gegen die Guts-besitzer in der Ukraine, die privaten Verbindungen Chmjelnizki'smit dem Sultan und dem Khan ohne Vorwissen des Königs, besondersder Zug der Kasaken in die Moldau den König bewogen, vor dem Podo-lischen Kamenz ein Heer aufzustellen unter Befehl des KronshetmansNicolai Potozki, um das Verhalten Chmjelnizki's und derKasaken zu überwachen. Die polnischen Magnaten und der Nachfolgerdes verstorbenen Kanzlers Ossolinski, der Unterkanzler Radsjä-jewski waren die Hauptträger der Feindschaft gegen Chmjelnizki.Von beiden Seiten deutete Alles auf einen neuen und baldigen Bruch.

Zu den Ursachen des Missvergnügens der polnischen Regierung