172 I. Kriege von 1013—1689.
Nahrung zu Ende und der Hunger führte die grässlichsten Scenen herbei.Chmjelnizki dachtegleich nach dem Abschluss des SborowerVertragesgar nicht daran, sein Heer zu entlassen, wie die Polen versichern, sondernkehrte vor Sbarash zurück, und sendete einige der bei Sborow in Gefan-genschaft gerathenen Anführer und einen Verwandten Wischnewezki'shinein, forderte zur Uebergabe auf, — und endlich ergaben sich die Be-lagerten. Chmjelnizki behielt Wischnewezki und die Schljachtain Untersuchungshaft im Schloss, die aufs Aeusserste erschöpften undelenden Truppen wurden herausgelassen, entwaffnet und entlassen.Stadt und Lager wurden von Kasaken besetzt, und Chmj elnizki'sWillen gemäss schickte Wischnewezki eine Deputation an denKönig mit der unterthänigsten Bitte, dass er mit den Kasaken einen ewi-gen und dauerhaften Frieden schliessen möge. Der König Hess sofort,als Antwort, bei Chmjelnizki um Frieden bitten, zu dessen Abschlussvon beiden Seiten Bevollmächtigte nach Sborow geschickt wurden, — undwie schon gesagt, am 10. (20.) August wurden die Bedingungen desSborower Vertrages vereinbart, am 26. August (7. September) unter-zeichnet. So erzählt Markjewitsch, im Widerspruch mit Bantysch-Kamenski.
Nach Unterzeichnung des Vertrages entliess Chmjelnizki dieKasaken, er selbst mit den Starschinen begab sich nach Kiew, wo erim Triumphe als Sieger einzog, am 4. Oktober alten Styles. Der Khanzog mit den Tataren von Sborow und Sbarash nach der Krym ab.
Während vor Sborow und Sbarash so wichtige Kriegsereignissezwischen Polen und der Ukraine durch die Waffen zur Entscheidung ka-men, gingen die Kriegsoperationen zwischen Kasaken und Polen zugleichauch vorwärts in den mit der Ukraine benachbarten Orten Lithauens.Hier wieder dieselben Widersprüche zwischen kleinrussischen undpolnischen Angaben. Nach den Letzteren zu urtheilen, hätten diepolnisch-lithauischen Waffen überall in Lithauen triumphirt, nach klein-russischen Quellen erscheinen die Triumphe der Polen und die Nieder-lagen der Kasaken in weit massigeren Formen. Zunächst muss nocherwähnt werden , dass vor dem Feldzuge von 1649 als Versammlungs-orte der polnischen und lithauischen Truppen bestimmt gewesen waren:Sbarash, Ssluzk und Lojew am Pripjetflusse. Die Gesammtzahl derTruppen, welche sich dort versammeln sollten, berechnen sie auf 100,200, sogar 300 000 Mann (was ganz unwahrscheinlich ist: Polen undLithauen konnten zu jener Zeit nicht so viel Truppen aufbringen).Chmjelnizki vermehrte seine aktive Feldarmee, wie gesagt, auf70 000 Mann, und setzte für die Vertheidigung der Ukraine in denStädten ein Aufgebot vonTowarischtschen oder alten und aus jungen Ka-saken ein, welche zur Ausfüllung der registrirten Regimenter eintreten