4. Kriege der kleinrussischen undSaporogerKasaken. 169
Vorräthen, Geschützen und Fahrzeugen fiel den Siegern als Beute in dieHände.
Das war die Niederlage der königlich polnischen Armee hei Sbo-row — nach kleinrussischen Chronisten. Nach polnischen wird sieanders dargestellt, zu Gunsten der Polen, ersichtlich aber in prahlerischerund unwahrer Weise. Es ist interessant, die Beschreibung dieser Schlachtin den beiderseitigen Quellen mit einander zu vergleichen, um zu erken-nen, welche die wahrheitsgetreue ist.
Oben schon wurde die Zusammensetzung und Schlachtordnung des pol-nischen Heeres nach dessen Uebergang über die Brücke durch den Sumpfangegeben. Nach polnischen Quellen belief sich die Stärke desselben:nach den Einen auf 20000 Mann, nach Anderen sogar auf 100 000 Mann,beides unwahrscheinlich. Die Zeit der Schlacht fällt auf den 15. und16. August neuen Styles (5. und 6. alten Styles), d. h. über einen Mo-nat später, als die kleinrussischen Schriftsteller angeben (17. Juni altenStyles, 27. Juni neuen Styles); den Verlauf der Schlacht selbst stellen diepolnischen Historiker folgendermaassen dar :
Sie sagen, dass die Tataren sich in breiter Front vor der Front despolnischen Heeres ausgebreitet hätten, gleichsam um dasselbe zu über-blicken, dann hätten sie sich plötzlich auf ihren linken Flügel zusam-mengezogen und den polnischen rechten Flügel Ossolinski's angefal-len. Allein durch die polnische Infanterie abgeschlagen, warfen sie sichvom rechten auf den linken polnischen Flügel und brachten diesen in grosseUnordnung. Der König eilte selbst dahin , und durch seine Gegenwartangefeuert stellten die Truppen Ljubomirski's wieder die Ordnungher und gingen den Tataren entgegen. Diese Letzteren stürzten sich nunauf die polnische Reiterei, warfen sie trotz deren hartnäckigem Wider-derstande, wurden aber durch das Feuer der Artillerie und Infanterie zumHalten gebracht. Der hereinbrechende Abend beendete die Schlachtdieses ersten Tages (5. [15.] August), an welchem die polnischen Trup-pen aber, nach den Worten der polnischen Geschichtsschreiber, alle An-griffe der Tataren (als ob gar keine Kasaken dagewesen wären)muthig und tapfer abgeschlagen hatten, obgleich mit einem Verluste von4—5000 Mann Gebliebener, und obgleich sie in der Nacht vom Feindevollkommen umzingelt wurden. Zu derselben Zeit, als in dieser Nachtdie polnischen Truppen, auf Geheiss des Königs, sich zu verschanzenbegannen, entstand plötzlich bei ihnen das Gerücht, der König wolle mitden Grossen fliehen, infolge dessen ein furchtbarer Aufruhr entstand.Aber der König beritt mit seinen Grossen das ganze Lager und beruhigteund ermuthigte seine Krieger durch die Versicherung, dass mit Tages-anbruch der Feind geschlagen werden solle. Dann wurde in der Nachtein Kriegsrath abgehalten, bei welchem die Einen vorschlugen, noch zwei