4. Kriege der kleinrussischen und Saporoger Kasaken. 165
abtheilungen auf den Flanken und 1 Reservecorps dahinter. OhneRücksicht auf das Geschützfeuer der Polen gingen alle HeerhaufenOhmjelnizki's langsam vorwärts, dann aber, dicht vor der vorderenLinie der Polen angekommen, eröffneten sie ein heftiges Geschütz- undGewehrfeuer. Diese Linie schwankte, bog sich zurück, begann zuweichen und warf sich endlich in Unordnung auf die zweite Linie deralten Truppen, diese in Unordnung bringend. Die Kasaken stürztensich auf die zweite Linie, liesen ihr keine Zeit sich zu ordnen, schlugenmit ihren Lanzen auf sie ein und brachten in mehrstündigem erbittertemKampfe den Polen hierdurch und durch die Reiterei der Flanken grosseVerluste bei. Endlich wurde das ganze polnische Heer geworfen undstürzte in Unordnung und Verwirrung nach Sbarash, wo es sich ein-schloss; auf dem Kampfplatz hatte es 57 Geschütze, den ganzen Trainund eine Menge Gefallener gelassen, darunter die Schijachten (im Gan-zen sollen es über 19 000 gewesen sein, was unwahrscheinlich ist).Chmjelnizki, welcher wusste, dass in Sbarash weder Geschütze,noch hinlängliche Kriegs- und Proviantvorräthe seien, beschloss keinenSturm auszuführen, sondern die Stadt und das polnische Heer darin durchBlokade und Hunger zur Uebergabe zu zwingen. Deshalb brannte er dieVorstädte nieder und schloss die Stadt von allen Seiten mit Truppen undSchanzen ein. Diese Blokade dauerte 3 Monate (April bis Juni), wäh-rend welcher die Belagerten sich standhaft hielten und vertheidigten,häufig Ausfälle machten, dahingegen die Kasakeja ihrerseits sich oft aufden nächsten Aussenwall der Stadt stürzten, besonders dahin, wo auf er-höhter Stelle das Zelt Firl e'i' s stand. Eines Tages hatten sie sich dem-selben schon genähert, als plötzlich Wisch newezki, um seine er-schöpften Krieger zu ermuthigen, ihnen verbot, auf die Tataren zuschiessen, — als ob diese mit ihm in Unterhandlungen getreten wären,wodurch er seinen Truppen wirklich wieder Muth machte, sodass sie dieKasaken abschlugen. Solcher vereinzelten Angriffe führten die Kasaken19 aus, die Polen machten, nach ihrer Versicherung. 5 Ausfälle, welchesämmtlich von den Kasaken zurückgeschlagen wurden.
Chmjelnizki, welcher die Standhaftigkeit der Polen nicht er-schüttert sah, beschloss, sich des äusseren Walles durch Approchen undMinen zu bemächtigen, an welchen auch Tag und Nacht gearbeitet wurde.Als sie schon so weit vorgeschritten waren, dass die vorgeschobenen Po-sten der Polen sie sehen und arbeiten hören konnten, räumten die Bela-gerten den äusseren Wall und besetzten den inneren. Die Ankunft desKönigs mit einem Entsatzheere erwartend, setzten sie ihre Vertheidigungtapfer fort, obschon ihre Lage von Tage zu Tage immer schwierigerwurde und kaum noch zu ertragen war. Die Zunahme an Gefallenen,Verwundeten, Kranken und den Krankheiten wie dem Hunger Erlie-